Jugger: Ein neuer Sport fasziniert Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Der Schädel muss ins Mal

Große Resonanz am 5. Jugger-Event in Rotenburg: Mit dabei sind Teilnehmer aus allen Altersklassen. Fotos:  Achim Meyer

Rotenburg. Das Spiel beginnt: Von beiden Seiten der Turnhalle stürzen jeweils fünf Kinder mit Gebrüll auf die Mitte der Halle zu. Dann schnappt sich ein Spieler den Gegenstand, der hier auf dem Hallenboden liegt. Mit Waffen, die wie Lanzen aussehen, greifen die Gegenspieler ihn an – er wiederum versucht, sich mit tänzelnden Schritten in Sicherheit zu bringen. Wir sind mittendrin in einem Jugger-Wettkampf, einer relativ neuen Sportart, die seit einiger Zeit auch in Rotenburg gespielt wird – heute in der Sporthalle auf dem Gelände der Alheimerkaserne.

Ruckzuck haben sich die Spieler über das ganze Feld verteilt. Da verteidigt sich einer mit einem Schild, einer schwingt eine Kugel über dem Kopf, einer verfolgt einen anderen mit einer Art Schwert. Ein Rugby-Wettkampf? Eine mittelalterliche Ritterschlacht? Zum Glück ist Jugenddiakon Hans-Peter Thomas auf der Tribüne und kann die Regeln erklären.

In der Mitte liegt der Spielball dieser Sportart, der Jugg. Das ist ein fester Schaumstoffgegenstand in der Form eines Hundeschädels. Es gilt, den Jugg auf der gegnerischen Seite in eine Art Topf zu befördern, das Mal. Dabei darf in beiden Mannschaften nur ein Spieler, der Läufer, den Jugg mit den Händen greifen. Die anderen Spieler haben die Aufgabe, ihren Läufer zu schützen. Dazu tragen sie verschiedene Waffen. Die Lanzen und Schwerter sind in dicken Schaumstoff eingehüllte Stöcke.

Wer getroffen ist, der muss sich auf den Boden knien. Schulsozialarbeiterin Thora Maentel-Pogodsky sitzt heute am Spielfeldrand und schlägt ohrenbetäubend laut im Rhythmus eine große Trommel. Nach einigen Schlägen darf der getroffene Spieler wieder aufstehen und mitkämpfen.

Der Jugger-Sport entstand in der Rollenspielerszene, die mittelalterliches Leben und mittelalterliche Schlachten bei großen Veranstaltungen nachspielen. Hans-Peter Thomas erklärt, welche Idee für ihn dahinter steckt: Zuerst komme der archaische Angriff mit Gebrüll – und dann sei taktische Disziplin gefragt. „Es geht darum, sich zu kontrollieren. Da wollen wir hinkommen, dass die Kinder den Überblick behalten.“

Unten in der Halle versammelt sich das Team zur taktischen Besprechung. Simon ist außer Atem: „Du musst hinten bleiben und warten, bis die vorne erledigt sind.“ Sascha: „Ich und Simon, wir holen den Jugg und versuchen, die vorne zu treffen, damit der Läufer eine Lücke hat.“ Sören ist ganz heiser: „Ich find"s gut, ihr gebt mir gut Deckung!“ Der Jugg liegt bereit, die Mannschaften gehen auf die Grundlinie. „Eins-zwei-drei-Jugger!“ Los geht’s mit Gebrüll!

Von Achim Meyer

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