HZ-Montagsinterview mit Reinhard Faulstich, dem neuen Vorstands-Chef der Sparkasse

Der Saugnapf am Kunden

Der neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, Reinhard Faulstich, an seinem Schreibtisch in der Zentrale in der Dudenstraße. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Sein Büro ist das gleiche geblieben, nur das Türschild hat sich geändert. Seit 1. November ist Reinhard Faulstich Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg. Er ist Nachfolger von Dr. Manfred Wagner, der in den Ruhestand getreten ist. Mit dem neuen Sparkassen-Chef sprach Kai A. Struthoff

Herr Faulstich, wie waren die ersten Tage im neuen Amt?

Reinhard Faulstich: Es waren ganz normale Arbeitstage für mich. Ich hatte ja viel Zeit, um mich auf die Aufgabe vorzubereiten. Ich habe mich aber gefreut, dass mir die Kollegen und Mitarbeiter trotzdem kleine Geschenke und Blumen gebracht haben.

Gibt es einen Machtkampf, wenn der Vorstandsvorsitzende eines großen Unternehmens wechselt, oder geht das friedlich über die Bühne?

Faulstich: Bei uns ist diese Grundsatzentscheidung schon vor vielen Monaten in den zuständigen Gremien – dem Verwaltungsrat und bei unseren Trägern – gefallen. Es gab von daher keine Ausschreibung, aber auch keine Kampfabstimmung.

Trotzdem wird Ihr Vorstandskollege Frank Röhr die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg verlassen. Wie geht es dann weiter?

Faulstich: Ich bedaure persönlich und auch für die Sparkasse, dass uns Herr Röhr verlassen wird, auch wenn ich seine Beweggründe gut nachvollziehen kann. Im Moment läuft die Suche nach einem neuen Vorstandsmitglied. Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen eine Entscheidung über die Nachfolge haben werden, die dann zum Frühjahr umgesetzt wird.

Der Vorstand wird dann nur noch zweiköpfig sein?

Faulstich: Ja. Es gibt dafür klare Vorgaben im Aufsichtsrecht und in anderen Gesetzen. Außerdem gelten bestimmte Vertretungsregelungen. Es muss immer eine Trennung geben zwischen denen, die Geschäfte initiieren und jenen, die das Risiko managen. Eine Zweier-Lösung ist legitim und wird oft praktiziert. Natürlich wird sich dadurch künftig auch die Aufgabenverteilung im Vorstand ändern.

Was wird sich noch ändern?

Faulstich: Die Banken müssen sich wieder mehr auf den Grundsatz des Dienens und Leistens besinnen. Das drückt sich dann besonders in der Kundenzufriedenheit aus, die durch Leistung und Qualität bestimmt wird. Das sind Themen, die wir als Sparkasse künftig noch besser und intensiver besetzen werden. Für die meisten Kunden ist die Filiale vor Ort deutlich wichtiger als die Zentrale.

Bleibt das Filialnetz der Sparkasse bestehen?

Faulstich: Unser weitverzweigtes Filialnetz ist unser Erfolgsgeheimnis. Die Filialen sind die Saugnäpfe, die dicht am Kunden hängen. Es gibt bei uns zur Zeit keine Pläne etwas an diesem Filialnetz zu verändern.

Zum Auftrag der Sparkassen gehört, auch etwas für das Gemeinwohl zu tun. Haben Sie dafür konkrete Pläne?

Faulstich: Unser Leitmotiv lautet: fair, menschlich, nah. Diese Themen werden wir auch künftig besetzen. Unsere Existenzberechtigung ist immer auch davon abhängig, ob wir Nutzen in der Region stiften. Das darf aber nicht nur auf Spenden und Förderung reduziert werden. Unsere Aufgabe ist es, hochwertige Bankdienstleistungen für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten und verlässlicher Partner des Mittelstands zu sein.

Die Wirtschaftskrise scheint überwunden, gilt das auch für unseren Kreis?

Faulstich: Viele Betriebe in der Region haben volle Auftragsbücher, darüber sind wir froh. Aber noch sind nicht alle Folgen der Wirtschaftskrise überwunden. Nehmen wir nur das Defizit im Kreishaushalt. Daran sieht man, wie verzögert und mit welchen Konsequenzen sich die Krise auswirkt. Die gegenwärtig gute Auftragslage wurde ja nicht zuletzt mit vielen öffentlichen Geldern herbeigeführt. Aber wie geht es weiter? Zurzeit ist die Stimmung bei unseren Kunden gut, es wird viel investiert. Und es gibt bei uns auch keine Kreditklemme, weil die Sparkasse auch in schwierigen Zeiten ein zuverlässiger Partner der Firmen war.

Ihr Vorgänger Dr. Wagner hat scharfe Kritik an der Politik geübt, die aus der Krise nichts gelernt hat. Teilen Sie seine Einschätzung?

Faulstich: Ja, unbedingt. Zur Zeit rollt eine wahre Regulierungswelle auf die Banken zu, mit der angeblich die europäischen Einlagen gesichert werden sollen. Damit werden aber die Sparkassen und Volksbanken, die auch in der Krise verantwortungsvoll gehandelt haben, bestraft. Die Anforderungen hierzu sind völlig überzogen. Unser Haus müsste, sofern das Gesetz nicht verändert wird, allein 18 Millionen Euro für die Einlagensicherung zurückstellen. Diese könnten dann auch für die Rettung von „Zocker-Banken“ verwandt werden.

Und, funktioniert das?

Faulstich: Das Schlimme ist, dass diese Regelungen bei uns zwar konsequent umgesetzt werden, in den Verursacherländern der Krise, etwas den USA, aber nur teilweise. Das Kernproblem, dass Banken aufgrund ihrer Größe ganze Volkswirtschaften erpressbar machen, wird mit solchen Regeln nicht beseitigt.

Kommentare