Marianne Thielmann präsentierte „Sex – aber mit Vergnügen“ in Buchcafé

Satirische Aufklärung

Pssst: Über einige erotischen Geheimnisse plauderte Marianne Thielmann nur ganz intim unter vorgehaltener Hand mit ihrem Publikum. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Seit der Premiere 1997 im Meininger Staatstheater führt die Schauspielerin Marianne Thielmann das Einpersonentheaterstück „Sex – aber mit Vergnügen!“ von Franca Rame und Dario Fo regelmäßig in ganz Deutschland erfolgreich auf.

Das kann nicht nur an dem höchst amüsanten Inhalt liegen, eine solch lange Spielzeit ist sicherlich auch ein Indiz für die schauspielerischen Qualitäten von Marianne Thielmann.

Am Samstagabend hatte das Bad Hersfelder Publikum im Buchcafé rund neunzig kurzweilige Minuten lang Zeit, sich selbst davon zu überzeugen.

Die Aufführung ist so etwas wie ein gespielter Sexualratgeber, ein Aufklärungsbuch - nicht nur für die junge Generation.

Marianne Thielmann beleuchtet darin sehr amüsant die oft seltsamen Verhaltensmuster von Männlein und Weiblein beim Geschlechtsakt.

Zu Beginn holt sie ganz weit aus und lässt abwechselnd Adam und Eva zu Wort kommen, welche gerade erst an Adam einen anatomischen Unterschied entdeckt haben und dessen scheinbar unkontrollierbare Reaktionen auf Evas Erscheinungsbild noch sehr naiv und unaufgeklärt deutet.

Thielmann bezieht zum Thema „mangelnde Aufklärung“ danach ihre eigene Pubertät mit ein. Die 1956 geborene erzählt von der wenig hilfreichen Definition, die die Generation ihrer Eltern für Geschlechtsteile benutzt hat, nämlich „Gesäß“ und „vorderes Gesäß“ und von der völlig unzureichenden Aufklärung mittels einer farbigen Schnittzeichnung aus dem Anatomiebuch, die leider mehr Ähnlichkeit mit einer Landkarte als mit dem weiblichen Unterleib hatte.

Als nächstes sind die pubertären Fehlinterpretationen mangelnder Aufklärung der Grund für viel Gelächter im Publikum - sicherlich hat da wohl jede und jeder ebenfalls mal so richtig ins Fettnäpfchen des Halbwissens getreten.

Es folgen die Themen: Entjungferung, Menstruationsaberglaube und das allererste Mal. Und da taucht zum ersten Mal ein wichtiges Schlagwort des Abends auf: „Orgasmus“.

Was genau verbirgt sich hinter diesem eigentlich sehr unerotisch klingenden Wort und wie täuscht Frau diesen richtig vor?

Dieser Frage geht Marianne Thielmann nun auf den Grund. Sie spielt die Leiterin einer amerikanischen Orgasmusschule und exerziert im Aerobic-Outfit mit dem Publikum Atem- und Stöhnübungen bis hin zum finalen Höhepunktsgeschrei und erntet dafür tosenden Szenenapplaus im Saal.

Weitere wichtige Themen des Abends sind Impotenz, Gemüsefreuden, Kopfrechnen gegen vorzeitige Ejakulation und die – ja es gibt sie tatsächlich – erogenen Zonen des Mannes.

Marianne Thielmanns Fazit nach all dem ist simpel: Für guten Sex sind Gefühle viel wichtiger als perfekte Technik, und ihr finaler Ratschlag lautet dann auch ganz einfach: „Entspannt euch, und hört auf zu denken!“ (rö)

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