Das Drama „Eifersucht“ im ausverkauften Grebekeller kam beim Publikum gut an

Sarkastisch, bissig, witzig

„Eifersucht“ von Esther Vilar im Grebekelle, Yana (Marie Therese Futterknecht), Helen (Gerit Kling), Iris (Maddalena Noemi Hirschal) von links nach rechts. Foto:  Landsiedel

Bad Hersfeld. „Jetzt vergessen wir erst einmal den ganzen Trouble und konzentrieren uns auf die Kultur: Anne Frank mit ihren Königinnen“, so begrüßte Götz Geisler die Gäste im ausverkauften Grebekeller zu „Eifersucht“, einem Drama für drei Faxmaschinen von Esther Vilar.

Drei Frauen sitzen hinter drei Tischen und sind mit dem Verfassen und Lesen von Briefen beschäftigt, die sie sich gegenseitig per Fax zusenden. Vor den Zuschauern entwickelt sich ein Beziehungsgeflecht, bei dem sich alles im Kreise dreht, nur um wieder auf den Anfangszustand zurückzukehren. Und trotzdem ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Da wäre zunächst Helen (Gerit Kling), eine 55-jährige Rechtsanwältin, die seit vielen Jahren mit Laszlo, ebenfalls erfolgreicher Rechtsanwalt, verheiratet ist. Eines Tages erfährt sie durch ein Fax von Jana (Marie Therese Futterknecht), einer 40-jährigen Architektin, dass diese, seit sie mit Laszlo einmal im Aufzug steckengeblieben ist, mit eben diesem ein Verhältnis hat.

Mit Faxen bombardiert

Helen erhält von Yana perfider Weise den Schlüssel zu einem Lüftungsschacht, von dem aus sie den Betrug Nacht für Nacht beobachten kann. Nachdem Laszlo zu Yana gezogen ist, bombardieren sich die beiden Frauen gegenseitig mit Faxen, in denen sie ihrer jeweilige Konkurrentin offene und subtile Bosheiten zukommen lassen. Noch triumphiert Yana, „Meine liebe Helen, Laszlo hat Sie nicht verlassen. Er folgt nur seinem biologischen Instinkt, wenn er der älteren die jüngere Partnerin vorzieht“, und rät der verlassenen Ehefrau, sich vor den Spiegel zu stellen und zu sagen: „Ja, ich bin begehrenswert!“

Diesen Rat gibt Helen ihr ein paar Monate später als Retourkutsche zurück, als Laszlo Yana wegen der 25 Jahre jungen Studentin Iris (Maddalena Noemi Hirschal) verlässt und bei dieser einzieht. Auch diese tauscht sich mittels Faxen mit ihren Rivalinnen aus, nur um schließlich auch von Lazlo verlassen zu werden, der seine Midlife-Krise endlich überwunden hat und zu Helen zurückkehrt. Und doch ist nichts mehr wie zuvor, wenn Helen resümiert, dass „ein Mann, den zur gleichen Zeit zwei oder mehr Frauen lieben, wie eine Aktie ist, die über ihrem Wert gehandelt wird“.

Sie erkennt, dass die Liebe neben der Eifersucht lediglich eine Bagatelle ist, und Eifersucht wegen der Stärke der durch sie hervorgerufenen Emotionen süchtig macht. Und da Treue die Eifersucht zerstört, bittet sie Yana, Lazlo noch einmal zu verführen, damit die Eifersucht zurückkehrt.

Sarkastisch, bissig, witzig und manchmal nachdenklich kam das Stück beim Publikum sehr gut an und zum Schluss wurden drei tolle Schauspielerinnen mit langanhaltendem Applaus belohnt. Götz Geisler nahm abschließend noch einmal kurz und sehr bewegt Stellung zum Umgang mit den Festspielen und ihrem Intendanten Holk Freytag und erhielt dafür die ungeteilte Zustimmung des Publikums im Grebekeller.

Von Thomas Landsiedel

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