Wochenendporträt: Orpheuspreis für Nachwuchssängerin Anli Sasaki, die Donna Anna im Giovanni

Mal ist sie sanftmütig, mal ein Vulkan

Anli Sasaki kommt aus Japan und studiert in Leipzig. In Mozarts „Don Giovanni“ steht die Trägerin des Orpheuspreises für Nachwuchssänger als Donna Anna auf der Bühne der Stiftsruine. Dort gefallen ihr die historischen Gemäuer. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Die Bad Hersfelder Opernfestspiele haben sie selbstbewusster gemacht, sagt Anli Sasaki, die gerade mit dem Orpheuspreis für Nachwuchssänger ausgezeichnet worden ist. In „Don Giovanni“ steht sie als Donna Anna auf der Bühne. Sasaki kommt aus Japan, aus Sapporo, das auch Klein-Tokio genannt werde. Ihre Mutter war in jungen Jahren ebenfalls Opernsängerin und trat später mit Chansons auf. „Ich war bei vielen Auftritten dabei und fasziniert von den großen Bühnen, dem Licht und der Magie“, erinnert sich die Sopranistin.

2005 kam Sasaki zum Studieren nach Deutschland, weil die musikalische Ausbildung hier weltweit die beste sei. Zwei Jahre zuvor hatte sie angefangen, die deutsche Sprache zu lernen – wobei es leichter sei, auf Deutsch zu singen als zu sprechen, meint sie lachend. „Da habe ich ja einen Text und muss nicht selbst nach Wörtern suchen.“

Nach Bad Hersfeld hat es sie dank ihres Kollegen Christoph Heinrich verschlagen, der sie empfohlen hat. Die Donna Anna war für die gebürtige Japanerin eine Traumrolle. „Sie liebt und hasst gleichzeitig.“ Mit besonders viel Selbstbewusstsein trat Sasaki allerdings nicht an: „Ich wusste, dass ich gut bin, aber ich hätte nie gedacht, dass ich es schaffe“, freut sie sich über die Chance. Auch die Auszeichnung mit dem Orpheuspreis sei für sie überraschend gewesen.

Von der Stiftsruine und ihrer Atmosphäre ist Sasaki begeistert. „Es ist einfach toll, unter dem Sternenhimmel zu singen“, erzählt sie begeistert, die zuvor noch nie unter freiem Himmel aufgetreten war. Auch die Zusammenarbeit mit Regisseur Heinz-Lukas Kindermann sei sehr inspirierend gewesen. „Die kostbaren Erfahrungen und die harte Proben-Arbeit haben mich viel selbstbewusster gemacht“, berichtet Sasaki, die sich selbst als eher sanftmütig beschreibt. Wenn etwas nicht richtig läuft, könne sie aber auch mal explodieren. „Eine Freundin nennt mich deshalb Vulkan“, sagt sie lachend.

Der weite Himmel

Damit hat sie sich nach dem ersten Kulturschock schon gut angepasst. Denn zu sagen, was man denkt, und auch mal Widerworte zu geben, ist laut Sasaki typisch europäisch. „In Japan stellt man seine Meinung zurück oder sagt Ja, auch wenn man eigentlich Nein meint.“ An Europa gefallen ihr außerdem der „weite Himmel“ und die historischen Gemäuer.

Auf der Bühne will Anli Sasaki immer ihr Bestes geben und das Publikum verzaubern, nicht nur bei der Premiere. Als Belohnung betrachtet sie es, wenn die Zuhörer nach der Aufführung begeistert klatschen oder sie im persönlichen Gespräch loben. Erst neulich sei sie freundlich in der Apotheke angesprochen worden. Ob sie irgendwann nach Japan zurückgehen möchte? „Die Bühne ist meine Heimat“, antwortet Sasaki, die nach den Opernfestspielen erst mal drei Tage durchschlafen will.

Von Nadine Maaz

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