Schüleraustausch: Brasilianerin Ana Clara Vacchiano verbringt ein Jahr in Bad Hersfeld

Samba ade! Hersfeld olá!

Die 17-jährige Brasilianerin Ana Clara Vacchiano vor den Mauern der Stiftsruine. Foto: Scholz

Bad Hersfeld. Als Willkommensgeschenk gab es für Ana Clara Vacchiano einen Kälteschock. Denn wenn man gerade noch bei 40 Grad unter Rios Sonne schmorte und dann in Bad Hersfeld erst mal Schnee geschippt werden muss, um das Eintreten in das neue Heim zu ermöglichen, ist es kein Wunder, wenn sich Armhärchen aufstellen und Zähne klappern.

Vor ihrer Abreise musste sie so manch eine Bemerkung über die angebliche Gefühlskälte der Deutschen ertragen. Diese Befürchtungen konnten jedoch schnell für nichtig erklärt werden, denn Ana Clara wurde mit offenen Armen empfangen. „Ich wurde herzlich aufgenommen und habe viele nette Leute kennengelernt“, berichtet Ana Clara strahlend.

Seit Ende Januar lebt die 17-jährige Brasilianerin bereits in Bad Hersfeld. Sie stammt aus der – für dortige Verhältnisse mit etwa 100 000 Einwohnern – kleinen Stadt Araruama, die nur eine Stunde von Rio de Janeiro entfernt ist. Mit Unterstützung der internationalen, gemeinnützigen Organisation Rotary verbringt sie hier einen einjährigen Schüleraustausch und besucht zurzeit die zwölfte Klasse der Modellschule Obersberg.

Sprachbarriere

Um so schnell wie möglich die Sprache zu lernen, belegt sie einen Deutschkurs. „Deutsch ist sehr schwer zu lernen und ganz anders als Portugiesisch.“

Entzückt ist Ana Clara von den schönen alten Fachwerkhäusern, die ihr an Deutschland am besten gefallen. „Solche Gebäude gibt es bei uns nicht.“

Doch auch auf kulinarischer Ebene stoßen hiesige Traditionen auf Wohlgefallen. Wer hätte gedacht, dass Schnitzel mit Pommes dem Geschmack eines brasilianischen Gaumens derart entgegenkommen würde? Und nicht nur dieses, sondern auch diverse andere Gerichte. „Hier schmeckt einfach alles super.“

Als Ana Clara zum ersten Mal einen Erstklässler alleine zur Schule gehen sah, war sie äußerst erstaunt. „Das wäre in meinem Land undenkbar. Es ist schön, dass es hier so sicher ist.“

Dennoch sehnt sich ihr Herz von Zeit zu Zeit 9661 Kilometer in die Ferne und quer über den atlantischen Ozean. „Ich vermisse meine Familie und meine Freunde sehr und habe auch ein bisschen Heimweh.“

Zu Tränen gerührt

Die deutsche Geschichte berührt die historisch Interessierte zutiefst. Als sie eine Exkursion in das Konzentrationslager Buchenwald machte und eine Gaskammer besichtigte, kamen ihr die Tränen. „Es war sehr intensiv. Noch nie war ich an so einem Ort.“

In den folgenden neun Monaten wird Ana Clara noch mehr über die deutsche Kultur und Geschichte erfahren und mit ihrer Organisation viele weitere EU-Länder bereisen.

Von Vanessa Scholz

Kommentare