Wochenendporträt: Christian Roßbach ist Concierge in einem Münchner Luxushotel

Er sagt niemals nein

Nichts ist unmöglich: Dafür sorgen Concierge Christian Roßbach (rechts) und sein Kollege Friedrich Lindner im Luxushotel Bayerischen Hof in München. Foto: nh

Asbach/München. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick zwischen dem reichen, russischen Geschäftsmann und der schönen Stewardess auf dem Flug von Moskau nach München. Der Russe wollte die Frau seines Herzens wiedersehen. Aber wie arrangiert man ein Rendezvous mit einer unbekannten Flugbegleiterin? Kein Problem für Christian Roßbach.

Der 24-jährige Bad Hersfelder arbeitet als Concierge im Grand-Hotel Bayerischer Hof in München, und derart schwierige Fälle sind seine leichteste Aufgabe. „Wir können Wünsche erfüllen, die man auch mit Geld nicht bezahlen kann“, beschreibt Roßbach das ganz besondere Aufgabenfeld der Concierges in den Luxushotels dieser Welt, wo sie weit mehr sind als nur Rezeptionisten.

Exzellente Kontakte

„Wir sagen niemals nein“, erklärt Roßbach. Um seinen Gästen in dem Münchener Hotel auch wirklich jeden noch so ungewöhnlichen Wunsch zu erfüllen, müssen die Concierges ihre Stadt besser kennen als jeder andere und beste Kontakte haben. Konzertkarten für ausverkaufte Säle, Fußballtickets für die Bayern oder die ganze besondere Joggingroute an der Isar – Roßbach macht’s möglich.

Angefangen hat seine Liebe zur Hotellerie mit einem Ferienjob im Stadthotel in Bad Hersfeld während der Festspielzeit. „Das hat Spaß gemacht, und ich wollte ohnehin nie einen Bürojob haben“, erzählt Roßbach, der Stiefsohn des früheren Feuermeisters des Lullusfests ist und in Asbach aufwuchs.

Nach der 10. Klasse verließ Roßbach die Konrad-Duden-Schule und machte am Esperanto-Hotel in Fulda eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Etwas mulmig war ihm dann doch, als er sich im Bayerischen Hof vorstellte. „Aber München war immer mein Favorit, es ist die nördlichste Stadt Italiens“, schwärmt Roßbach. Und es klappte mit dem Traumjob. Zunächst arbeitete er nur im Nachtdienst, wechselte dann zur Tagesschicht und ist inzwischen – nach einem kurzen, beruflichen Gastspiel am Nassauer Hof in Wiesbaden – ins illustre Team der insgesamt sieben Concierges im Bayerischen Hof aufgerückt.

Im kommenden Jahr wird Roßbach seine „Goldenen Schlüssel“ erhalten, die ihm dann Eingang in den exklusiven weltweiten Berufsverband der Concierges verschaffen. Die rund 4500 handverlesenen Mitglieder bilden eine verschworene Gemeinschaft und helfen einander, auch die ungewöhnlichsten Wünsche zu erfüllen.

„Die meisten Mega-Stars und Super-Reichen sind aber ohnehin ganz normale Leute“, sagt Rossbach. Mehr ist ihm aber auch nicht zu entlocken, denn Diskretion gehört zum Geschäft. Auch über die Höhe der Trinkgelder schweigt der junge Mann. „Es lohnt sich, und es ist ein schöner Beruf“, sagt er nur.

Übrigens: Dem reichen russischen Gast hat Roßbach selbstverständlich zu seinem Rendezvous verholfen. Er fand den Namen der Stewardess heraus, schickte ihr eine Limousine an den Flughafen, und im Hotel wartete ein blumengeschmücktes Separée zum Gala-Diner, für das sogar eigens ein Zauberer angeheuert wurde. Ob es dem Russen mit seiner Hilfe gelang, die schöne Stewardess zu verhexen, darüber schweigt Christian Roßbach aber – wie es ein guter Concierge eben tut.

Von Kai A. Struthoff

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