Lob und Fingerzeige im Einzelhandelsgutachten für die Einkaufsstadt Bad Hersfeld

„Sagen Sie das noch mal“

Die Konkurrenz schläft nicht: Neue Angebote wie im Rotenburg-Center locken auch die Hersfelder Kundschaft. Foto: Archiv

Bad Hersfeld. „Sagen Sie das noch mal, das höre ich so gerne“, warf der Bad Hersfelder Kaufmann Martin Knauff in die Runde, als Julia Wunder von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in ihrer Standort-Analyse die hohe Zentralität der Einkaufsstadt Bad Hersfeld beschrieben hatte. Denn der örtliche Handel schöpft weit mehr Kaufkraft ab, als von den Einwohnern der Stadt erwirtschaftet wird. Bei gut 186 Punkten liegt diese Kennziffer. 100 Punkte würden bedeuten, dass weder etwas zu- noch abfließt.

Allerdings, so hat das Update der vor zehn Jahren erstmals erstellten Studie ergeben, ist die Zentralität in den vergangenen Jahren nur noch leicht gestiegen, so dass Stagnation droht. So bekamen die Parlamentarier im Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt nicht nur Lob zu hören, sondern auch mahnende Worte, was künftige Herausforderungen angeht.

Tatsächlich ist die Stadtpolitik in Bad Hersfeld bisher sehr umsichtig vorgegangen, wenn es galt, dem örtlichen Einzelhandel Rahmenbedingungen zu verschaffen, in denen die Position des Standortes als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ausgebaut werden konnte. Einkaufszentren auf der grünen Wiese, die der Innenstadt schaden, gibt es hier genauso wenig wie Wildwuchs bei den Sortimenten.

Immerhin geht es im Falle von Bad Hersfeld um ein Einzugsgebiet mit 121 000 Einwohnern und einer Kaufkraft von 608 Millionen Euro jährlich. Bis 2020 – so die dem demographischen Wandel Rechnung tragende Prognose – wird die Einwohnerzahl auf 1114 000 sinken, die Kaufkraft auf 587 Millionen Euro.

„Ein attraktiver Standort“, bescheinigte die Gutachterin der Festspielstadt und wies dennoch auf einige Schwachpunkte hin. So sollte ihrer Ansicht nach die Kompensierung der bevorstehenden Herkules-Schließung „oberste Priorität“ bei den Verantwortlichen genießen.

Manches fehlt noch

Auch fehlten in der Stadt einige besonders bei jüngerer Kundschaft gefragte Marken wie etwa die Modekette „New Yorker“. Das Angebot beim Baby-Bedarf könnte ebenfalls besser sein. Martin Knauff wies ergänzend auf die Möbelbranche hin, die in Bad Hersfeld nur schwach vertreten ist. Hier würde die Innenstadt sogar Sortimentsüberschneidungen bei den Haushaltswaren hinnehmen.

In der Fülle der Details, die Julia Wunder vor dem Ausschuss ausbreitete, war auch eine Idee mit Zündstoff versteckt: Einen hauptamtlichen City-Manager, der sich um Organisation und Marketing kümmert, hielt sie für Bad Hersfeld für wünschenswert – ohne allerdings zu sagen, wer diese Position schaffen und bezahlen soll.

Von Karl Schönholtz

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