Sparkasse hat Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden – auch Realschüler sind gesucht

Sag’ mir, wo die Azubis sind

Neuenstein. Früher war ein Ausbildungsplatz bei der Sparkasse fast so gut wie ein Sechser im Lotto. Doch inzwischen falle es immer schwerer, geeignete Kandidaten aus der Region zu finden, bedauerte der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Reinhard Faulstich bei der Bilanzpressekonferenz des Kreditinstituts im Hotel Hess in Neuenstein.

Dabei ist die Sparkasse dank guter Bilanzergebnisse ein sicherer Arbeitgeber.

„Die Chance auf eine Übernahme nach der Ausbildung liegt bei 100 Prozent“, sagte Faulstich. Bei der Sparkasse werde dank einer eigenen Hochschule seit Langem das allseits gelobte duale System der Berufsausbildung praktiziert. „Die Karrierechancen sind sehr gut.“

Und das nicht nur für Abiturienten. Die Sparkasse bemühe sich, jeweils die Hälfte der Ausbildungsplätze auch an Realschüler zu vergeben. „Leider ist das den Lehrern und Schü-

lern oft nicht bekannt“, sagte Faulstich. Deshalb nutze die Sparkasse auch jede Möglichkeit, sich auf Ausbildungsmessen zu präsentierten. Allerdings registrierten die Bankleute auch ein zurückgehendes Bildungsniveau und ein deutliches Gefälle zwischen Abiturienten und Realschülern. Hinzu kämen die Auswirkungen des demografischen Wandels, die sich in sinkenden Schülerzahlen zeigten.

Trotzdem hat die Sparkasse zum Jahreswechsel 2010/11 insgesamt 54 Auszubildende beschäftigt. Davon haben 21 junge Leute ihre Ausbildung im August 2010 begonnen.

Insgesamt beschäftigt die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg derzeit 453 Mitarbeiter in den 31 Geschäftsstellen im ganzen Kreis, den zehn Beratungszentren, zwei Immobilienzentren und dem telefonisch erreichbaren Kunden-Service-Zentrum, das allein rund 200 000 Kundenanfragen pro Jahr beantworte. Hinzu kommen elf Selbstbedienungsgeschäftsstellen. Damit sei die Sparkasse mit ihrer regionalen Ausbreitung gerade im ländlichen Raum die eigentliche Direktbank im Kreis.

Kein Rückzug aus der Fläche

„Wir sind mit unseren Mitarbeitern auf dem richtigen Weg, denn sie sind gut ausgebildet und beraten gut“, betont das neue Vorstandsmitglied Gerhard Heß. Ein Beweis für die Beratungsqualität der Sparkasse sei eine deutschlandweite Befragung des Magazins Focus Money im Jahr 2010, bei der die Sparkasse als beste Bank in Bad Hersfeld abgeschnitten habe. „Da sind wir stolz drauf“, sagt Heß. Es gehe der Sparkasse nicht um kurzfristige, sondern um langanhaltende Erfolge.

Vorstandschef Faulstich versicherte bei der Bilanzpressekonferenz, dass die Sparkasse ihre Geschäftsstellenstruktur erhalten wolle und keine Schließungen geplant seien. „Die Sparkasse ist für jeden nah und schnell erreichbar.“

Für den Nachwuchs ist also auch in Zukunft viel zu tun.

Von Kai A. Struthoff

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