Viele Lollsbesucher machen aus dem Lullusfest ein öffentliches Trinkgelage

Saftig feiern statt saufen

Es geht auch ohne: Christina Heimeroth, Fabian Reeh, Eugen Naszorov, Alexandra Lauer, Paul Schneider (von links) von der Saftbar „saftig“ feierten alkoholfrei in die Lollswoche. 2 Fotos: Hempel

Bad Hersfeld. „Es ist Lollsmontag, da gehört es halt dazu.“ Um elf Uhr morgens begeht die 14-Jährige Bad Hersfelds fünfte Jahreszeit mit einem Biermischgetränk. Lolls und Alkohol gehören zusammen wie das Fierche und die Kastanien – so sah es auch an diesem Lollsmontag aus.

Das Lullusfeuer war noch nicht entzündet, da gab es auf dem Neumarkt vor der Konrad-Duden-Schule schon das schönste Trinkgelage. Eine Gruppe aus 16- bis 20-Jährigen war mit einem Einkaufswagen gekommen – vollgepackt mit 35 Litern Bier und 15 Litern Wodka. „Das reicht noch drei Stunden.“ Dann seien sie so betrunken, dass der Tag gelaufen sei.

Das war schon früher so, dass man sich vor der Schule getroffen hat, um an Lolls zu trinken, erinnert sich Christina Heimeroth. Auch sie mag es lustig an Lolls, gerne auch mit Alkohol, aber bitte in Maßen. Trinken, wie es zum Lullusfest an vielen Straßenecken üblich ist, „das hat nichts mehr mit Genuss zu tun“, findet Heimeroth.

Als Mitarbeiterin der Suchtprävention der Diakonie Hersfeld-Rotenburg steht sie mit der Saftbar „saftig“ auf dem Markt. Alkoholfreie Cocktails, die gut schmecken und wenig kosten, sollen Jugendlichen zeigen, dass es auch ohne Alkohol geht, erklärt Alexandra Lauer von der Diakonie-Suchtberatung. Hinter dem Tresen stehen Jugendliche. „Wir hoffen, dass wir dadurch Jugendliche an die Saftbar bekommen.“ Bisher tummeln sich an der mobilen Bar vor allem Kinder und Eltern.

Dass sich unter den trinkfreudigen Lollsbesuchern auch viele Jugendliche unter 16 Jahren befinden, weiß auch Polizist Patrick Figge, Leiter der Lollswache.

„Wenn wir 14-Jährige mit Alkohol sehen, sprechen wir sie auch an und nehmen den Alkohol ab.“ Massive Probleme mit Alkohol und Schlägereien habe es vor allem 2008 gegeben, so Figge. Seitdem habe sich die Lage beim Lullusfest etwas entspannt.

„Bis jetzt ist es noch ruhig“, meinte Dr. Matthias Lotz, der für das DRK auf dem Marktplatz steht, am Montagnachmittag. Zu den üblichen körperlichen Folgen durch Alkoholmissbrauch sei in letzter Zeit auch eine andere hinzugekommen: „Seit es kein Dosenpfand mehr gibt, liegen hier überall Glasflaschen und Scherben herum.“ Und die seien nicht nur für Betrunkene, sondern vor allem für Kinder gefährlich.

Von Claudia Hempel

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