Konzert mit Johannes Kleinjung beschloss Fest für neue Orgel in der Stadtkirche

Sachsenkönigin verzaubert

Für das erste Konzert auf der neuen Orgel in der Stadtkirche war Johannes Kleinjung noch einmal nach Bad Hersfeld gekommen. Foto; uj

Bad Hersfeld. Wenn eine Königin kommt, gebührt ihr ein angemessener Empfang –umso mehr, wenn sie kommt, um zu bleiben. Das beherzigte die Stadtkirchengemeinde für den Tag, an dem sie ihre neue Orgel in Empfang nahm, indem sie diesen Anlass nicht nur mit einem Festgottesdienst würdigte, sondern auch mit einem fulminanten Orgelkonzert, in dem der ehemalige Stadtkirchenkantor Johannes Kleinjung (jetzt Weimar) noch einmal als „Gastspieler“ zu hören war.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Kleinjung spielte auf der von der Firma Hermann Eule im sächsischen Bautzen völlig neu konzipierten „Königin“ der Musikinstrumente Werke von Johann Sebastian Bach, Alexandre Guilmant, Olivier Messiaen, Max Reger und von Louis Vierne. Mit diesem breit gefächerten Programm stellte Kleinjung die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Instruments unter Beweis: Es eignet sich nicht nur für barocke Orgelmusik, sondern auch für die farbenreichen und expressiven Werke der französischen Hochromantik und der Moderne.

Man spürte deutlich, dass es dem Interpreten, ebenso wie zuvor im Gottesdienst bereits Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, der sogar akustische Karawanen aufmarschieren ließ, sichtlich Freude bereitete, die klanglichen und technischen Möglichkeiten des Instruments auszuloten.

Relativ verhalten und dennoch mit einer bewundernswerten tänzerischen Leichtigkeit, die in den barocken Choralvertonungen keine Anklänge an protestantische Schwerblütigkeit aufkommen ließen, begann Kleinjung mit den Leipziger Chorälen des großen Thomaskantors und steigerte sich hin zum Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, in dem er sehr deutlich die markanten Bläserregister zum Einsatz brachte.

Spontanen Applaus löste Kleinjungs mit sehr viel Zug nach vorne gespielte Interpretation der sehr festlichen Guilmant’schen Paraphrase über „Tochter Zion“ aus. Hier wurde eine der großen Stärken des neuen Instruments deutlich: Es bekommt durch ein hervorragend konzipiertes und dimensioniertes „Atemzentrum“ genügend Luft, dadurch hat es in allen Registern die nötige Kraft.

Gleichzeitig ist es den Orgelbauern aber auch gelungen, das Instrument an die klanglichen Gegebenheiten des Kirchenraumes anzupassen, sodass die Orgel auch in den Tutti-Mischungen nie zum Schreien neigt und mit einem brillanten und angenehm ausbalancierten Klang besticht.

Kleinjung gelang es dabei, durch feinfühlige Registrierungen die Nuancen der Werke zum Klingen zu bringen und auch in klangmächtigen Tutti-Passagen immer transparent und gut durchhörbar zu spielen.

Stehender Applaus

Mit stehendem Applaus revanchierten sich die Zuhörer in der sehr gut besetzten Stadtkirche bei Kleinjung, der das fulminante Konzert mit Louis Viernes „Carillons de Westminster“ als Zugabe abschloss. Dieser Empfang war einer Sachsenkönigin mehr als angemessen. Bleibt nur zu hoffen, dass es gelingt, der Königin demnächst wieder einen adäquaten „König“ als Kantor zu gewinnen.

Von Ute Janssen

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