Staatsminister Michael Roth und Kreisbeigeordnete Elke Künholz sprachen mit Muslimen

Runder Tisch soll helfen

Freundliche Atmosphäre: Getragen vom Willen, miteinander ins Gespräch zu kommen und das insbesondere durch die Entwicklung der letzten Wochen belastete Verhältnis zwischen Christen und Muslimen zu verbessern, trafen sich Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth (SPD, Vierter von rechts) und Vertreter der türkisch-islamischen Gemeinde – unter ihnen die Vorstandsmitglieder Yalcin Solak (Dritter von links) und Hüseyin Corum (Fünfter von links) und der Vorbeter Celal Dogan (Sechster von links) – zu einem Gedankenaustausch. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Der gute Wille ist da. An bestimmten Stellen jedoch fällt es Muslimen und Christen schwer, für die Position des jeweils anderen Verständnis zu haben. Das wurde bei aller Sympathie bei einem Treffen von Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth (SPD) und Vize-Landrätin Elke Künholz (SPD) mit Vertretern der islamischen Gemeinde in Bad Hersfeld deutlich.

Vorstandsmitglied Yalcin Solak zeigte sich in seinem Eingangsstatement betroffen von der zunehmenden Islamophobie, die seiner Meinung zu einem großen Teil darauf zurückzuführen sei, dass Terroristen „im Namen des Propheten töten und tun und machen was sie wollen. Das bedrückt uns als Muslime sehr!“

Was kann man tun, um das Miteinander der Religionen zu befördern? Der heimische Wahlkreisabgeordnete schlug vor, mehr miteinander und weniger übereinander zu reden. Es sei gut, dass sich muslimische Bürger und Organisationen von der Behauptung distanzierten, dass Anschläge, die „im Namen Allahs“ geschehen, gerechtfertigt seien. Der Satz, das Ganze habe nichts mit dem Islam zu tun, sei jedoch ebenso falsch wie der Satz, dass Hexenprozesse nichts mit dem Christentum zu tun haben.

„Der Islam ist eine friedliebende Religion und das muss deutlich gemacht werden“, unterstrich der bekennende Christ Roth. Er hält nichts davon, zwischen dem Islam als Religion und den Muslimen als Menschen zu unterscheiden: „Sowohl die Religion als auch die Menschen gehören zu Deutschland!“ Angesichts dessen sei es für Muslime das Gebot der Stunde, sich in Sport und Kultur und in das Vereinsleben einzubringen und sich zu Regeln, Gesetzen und Verfassung zu bekennen.

Beleidigungen ertragen?

Als durchaus „heikles“ Thema bezeichnete Roth die Auseinandersetzung darüber, was man angesichts der grundgesetzlich garantierten Kunst- und Meinungsfreiheit an „Beleidigungen“ hinnehmen müsse: „Ich weiß, dass die bildliche Darstellung Allahs für viele Muslime eine Beleidigung ist, aber das müssen sie ertragen!“, betonte der Politiker. Damit stieß er nur bedingt auf Zustimmung. Yalcin Solak formulierte es so: „Es verletzt uns sehr, wenn man den Propheten Mohammed als Gesandten Gottes bildlich darstellt. Das ist in unseren Augen beleidigend und abartig, insbesondere dann, wenn er sogar noch mit Schweineohren verziert wird. Das muss aufhören, damit es nicht zu noch mehr Distanz und Gewalt kommt!“ In diesem Zusammenhang kritisierte Solak auch die Medien, denen er vorwarf, Sachen hochzuspielen und auf diese Art und Weise dazu beizutragen, dass Menschen Islam und Terrorismus gleichsetzten.

Vize-Landrätin Elke Künholz rief die Vertreter der muslimischen Glaubensgemeinschaft dazu auf, dabei mitzuhelfen, dass die in nächster Zeit ankommenden Flüchtlinge willkommen geheißen werden. Sie bat um Unterstützung bei der Einrichtung eines „runden Tisches“, der mit dazu beitragen solle, dass die Ängste der Bevölkerung ernst genommen werden und dass der soziale Friede gewahrt bleibe.

Von Wilfried Apel

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