Mediations-Gremium zum Windpark-Wehneberg will Empfehlung abgeben – NABU steigt aus

Runder Tisch macht ernst

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Bad Hersfeld. Das Vermittlungsverfahren im Streit um den geplanten Bau von acht bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen am Bad Hersfelder Wehneberg geht heute in die dritte und entscheidende Runde. Ziel der Vertreter von Parteien, Verbänden, Gemeinden, Bürgerinitiativen sowie der Firma ABO-Wind ist es, heute am Runden Tisch eine gemeinsame Empfehlung an die Stadt zu erarbeiten, erläutert Dr. Danuta Kneipp, die im Auftrag der Hessen-Agentur das so genannte Mediationsverfahren moderiert.

Überschattet wird das Treffen von der Entscheidung der Umweltschutzorganisation NABU, nicht mehr am Runden Tisch teilzunehmen. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass der NABU keine Kompromisse in dieser Frage sieht“, erklärt Thomas Hartwig von der Bad Hersfelder NABU-Gruppe. Die rund 300 örtlichen Mitglieder der Organisation stünden hinter dieser Entscheidung. „Wenn die Natur am Wehneberg einmal zerstört ist, ist sie zerstört – egal ob dort nun acht, sechs oder nur vier Windräder errichtet werden.“

Bestärkt durch Gutachten

Bestärkt sieht sich der NABU durch neue Gutachten, sowie die neue Stellungnahme von Ökotop Halle, erstellt vom ausgewiesen Experten und anerkannten Gutachter Ubbo Mammen, der als deutscher „Rotmilan-Papst“ gilt. Er hatte in einem Gegengutachten kritisiert, dass im Gegensatz zu den ausführlichen Rotmilan-Beobachtungen des NABU das ABO Wind-Gutachten in manchen Bereichen gar keine Daten geliefert habe. So fehlten quantitative Angaben zu Brutvögeln, aber auch wichtige Daten zum streng geschützten Mäusebussard, dem Wespenbussard, dem Sperlingskauz und dem Schwarzstorch (HZ berichtete).

„Diese Informationen sowie unsere eigenen Beobachtungen aus dem Jahr 2013 lassen einen Kompromiss zur Genehmigung des Windparks nicht zu,“ erklärt der NABU. Auf Basis dieser „fehlerhaften Gutachten“ könne und dürfe keine Baugenehmigung erfolgen. Ebenso sei es nicht möglich, daraus einen Alternativvorschlag abzuleiten – eine Beteiligung des NABU an einem Kompromiss werde es daher nicht geben.

Dr. Danuta Kneipp bedauert die Entscheidung des NABU. „Ich hätte mir gewünscht, dass der NABU am Runden Tisch bleibt, denn er ist ein wichtiger Teilnehmer der Runde“, sagte Kneipp der HZ. Gleichwohl sieht sie weiterhin die Vielfalt der Meinungen in dem Gremium repräsentiert.

Kneipp rechnet damit, dass auch die Überlegungen der neuen Bundesregierung zur Energiewende in die heutige Diskussion eingebracht werden. „Wir wollen unsere Diskussion aber auf die geplante Fläche am Wehneberg konzentrieren“, macht sie klar.

Kneipp ist optimistisch, dass das Gremium nach der heutigen Sitzung eine Empfehlung abgeben wird. Wie diese aussehen kann, ist freilich noch völlig offen. Fest steht nur, dass der Zeitdruck groß ist. Bis zum 6. Februar muss die Entscheidung über den Windpark am Wehneberg gefallen sein.

Von Kai A. Struthoff

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