Rund um den Kirchturm

Kai A. Struthoff

Guten Morgen! Oder vielleicht doch eher nicht? Das persönliche Wohlbefinden liegt am Tag nach einer Wahl sicher auch an den politischen Präferenzen. Aber wenn Sie sich heute besonders müde und zerschlagen fühlen, dann sind daran die bösen Zeitdiebe Schuld, die uns am Sonntag eine Stunde geraubt haben.

Was soll der Quatsch? Längst ist erwiesen, dass die Sommerzeit keine Energie einspart. Stattdessen schleppen sich die Kinder unausgeschlafen zur Schule, das Vieh im Stall kommt aus dem Rhythmus, das Wild im Wald auch. Deshalb Vorsicht! Nach der Zeitumstellung passieren besonders viele Wildunfälle. Ich kenne niemand, der die Sommer- und Winterzeit-Umstellung mag. Und ich wette, wenn wir darüber das Volk abstimmen ließen, würden mehr Menschen an die Urne gehen als gestern zur Kommunalwahl!

Kirchturmdenken in Kirchheim – dieses Wortspiel ist einfach zu schön und beschreibt treffend, was da in der Autobahngemeinde passiert ist. Monatelang wurde darüber diskutiert und gestritten, ob die Pfarrersleute, die sich künftig die anderthalb Stellen im Kirchspiel teilen sollen, nun im Pfarrhaus in Kirchheim oder in dem in Frielingen leben sollen. – ein räumlicher Unterschied von nicht einmal vier Kilometern. Aber offenbar liegen Welten dazwischen. Im Laufe der Auseinandersetzung trat der halbe Kirchheimer Kirchenvorstand zurück, und die Stimmung zwischen den beiden Ortsteilen ist vergiftet. Ein Trauerspiel im Kirchspiel! Und ein herber Rückschlag für die notwendigen Sparbemühungen der Kirchenleitung, die es nicht geschafft hat, den besorgten Gemeindeglieder den Sinn der Reform begreiflich zu machen. Dabei ist der Pfarrhausstreit nur eine Lappalie gemessen an den Einschnitten, die allen im Kreis im Zuge des demografischen Wandels noch blühen. Kirchturmdenken werden wir uns jedenfalls in Zukunft nicht mehr leisten können.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling hat in der vergangenen Woche eine seltsame Pressemitteilung verbreitet. Das „Andienen“ von Festspiel-Schirmherrschaften sei Aufgabe des Magistrats, hieß es darin. Offenbar ist man im Rathaus verärgert darüber, dass die SPD dem designierten Präsidenten des Europaparlaments die Schirmherrschaft nicht nur angedient hat, sondern dass Martin Schulz sie sogar schon angenommen hat.

Gewiss, eigentlich wäre das Aufgabe des Magistrats gewesen. Andererseits kann die Stadt nur froh sein, einen so hochkarätigen Schirmherren zu bekommen. Denn geeignete Kandidaten rennen uns ja nicht gerade die Bude ein. – Na ja, auch die Mückenstürmer sorgen sich doch bekanntlich sehr um den eigenen Kirchturm.

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