Statisten der Festspiele agieren mit viel Leidenschaft – zum Teil seit Jahrzehnten

Ruine macht süchtig

Schrilles Trüppchen: Alle Statisten des Stückes „Don Quijote“ haben sich vor der Ruine eingefunden. Fotos:  Apel

Bad Hersfeld. Was wären die Aufführungen in der Stiftsruine ohne Statisten? Wir besuchten diese bunte Truppe von Theaterbegeisterten, die zum Teil schon seit Jahrzehnten die Festspiele unterstützen. Einer von ihnen ist Hans-Jürgen Dietz, der 1951 zum ersten Mal auf der Bühne stand und der bis jetzt kein einziges Jahr pausiert hat.

Er ist so eine Art Grandseigneur, und ihm obliegt die Organisation der gesamten Statisterie. Dabei kann er sich auf bewährtes Personal stützen, vor allem aus dem Kreis der Sängerinnen und Sänger „seines“ Chorvereins. Rechnet man dessen Festspielchor mit, waren 2014 etwa 60 Personen als Statisten aktiv. Allein bei „Don Quijote“ waren es 13 Theaterbegeisterte.

Nicht alle Laienschauspieler sind so alte Festspielhasen wie Dietz oder auch Helgo Hahn. René Brendtke zum Beispiel ist gerade mal 20 Jahre jung. Er leistet Bundesfreiwilligendienst und möchte in naher Zukunft Schauspiel studieren. In „Don Quijote“ spielte er, wie die meisten anderen auch, einen angeheiterten Hochzeitsgast und einen Mönch. „Beim ersten Mal war ich noch richtig aufgeregt, aber dann überwog immer mehr die Vorfreude auf den Auftritt“, erzählt er. Hinter den Kulissen habe immer eine gute Stimmung geherrscht, und am schönsten sei, wenn man merke, wie das Publikum auf das Stück reagiere. „Ich würde auf jeden Fall wieder mitmachen!“, meint er rückblickend.

Götz Geisler ist zum neunten Mal dabei. Er bekennt: „Ich lebe in Bad Hersfeld, weil es hier Festspiele gibt!“ Stolz zählt er auf, wo überall er mitmimt . Als er behauptet, in der „Wanderhure“, in der er den Arnsteinern ein Fässchen Wein rettet, erkenne man ihn nicht, brechen alle in Gelächter aus. Unbeeindruckt davon stellt er dann aber fest: „Wenn man bei einem Stück als Komparse mitspielt, erkennt man noch viel besser, auf welch hohem Niveau und mit welcher Präzision in der Ruine gearbeitet wird, und wie gut die „richtigen“ Schauspieler sind!“

Applaus genießen

Klaus Straube scheint es ähnlich zu gehen. Der 73-Jährige hat 1951 mit Hans-Jürgen Dietz angefangen, dann aus beruflichen Gründen 45 Jahre pausiert, und schließlich 2009, nach Rückkehr in die Heimat, „aus Spaß an der Freude“ wieder angefangen. Er gibt zu: „Ich bin ein bisschen süchtig, aber es ist einfach unheimlich schön, wenn man zusammen auf der Bühne stehen und den Applaus des Publikums genießen kann.“ Mit Schrecken erinnert er sich an einen Auftritt, der Anfang der 60er-Jahre live in der „Hessenschau“ übertragen wurde, und bei dem ihm beim Verbeugen die Hose geplatzt ist. Wenn es körperlich und geistig hinhaut, will er weitermachen. Genauso wie Hans-Jürgen Dietz, über den Heinz-Harald Forbach sagt: „Er motiviert uns, er steht hinter uns – unter seiner Obhut sind wir alle sehr zufrieden!“

Das findet offensichtlich auch Helgo Hahn. Entspannt fragt er in die Runde: „Seid Ihr alle da? Alles gut?“ Und dann beginnt auch er, ganz leise, mit dem Einsingen: „Nu-nu-nu - no-no-no - ni-ni-ni…“

Von Wilfried Apel

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