Bad Hersfelder Festspiele: Laura Quarg führt Regie und spielt Sanchica in Don Quijote

Die Ruine macht süchtig

Auf der Bühne: Laura Quarg in ihrer Rolle als Sanchica auf dem Dreirad. Fotos:: Eisenberg

Bad Hersfeld. Wenn Laura Quarg im Festspielstück Don Quijote mit Zöpfchenperücke und rosa Kleid Sancho Pansas dreiradfahrendes Töchterchen Sanchica gibt, denken manche Zuschauer, dass tatsächlich ein Kind auf der Bühne steht.

„In dem Fall ist das wohl ein Kompliment für meine schauspielerische Leistung“, glaubt die 30-Jährige. Werde sie jedoch im Alltag nur auf die Hälfte ihres Alters geschätzt, frage sie sich manchmal schon: „Wer steht denn da vor mir“, sagt die 1,50 Meter große Schauspielerin.

Im Familienstück der Bad Hersfelder Festspiele steht Laura Quarg nicht nur auf der Bühne, gemeinsam mit Tobias Bungter führt sie auch Regie. „Ich habe mich nur für eine kleine Rolle entschieden. Bei dem großen Ensemble und der großen Bühne wäre das auch nicht gegangen.“

Hochzeit im August

An der Regiearbeit reize sie, das große Ganze mitgestalten zu können. Tobias Bungter schreibe die Bücher, vieles werde dabei aber gemeinsam entwickelt. Nicht nur beruflich, sondern auch privat sind beide ein Paar. „Wir haben uns verliebt und heiraten im August“, erzählt Laura Quarg lächelnd. Das Engagement bei den Bad Hersfelder Festspielen sei dafür so etwas wie die Generalprobe. „Wir haben uns gesagt, wenn wir diese Inszenierung überstehen, dann können wir auch heiraten“. Besonders weil sie viel unterwegs seien, könnten sie durch die gemeinsame Arbeit einander gegenseitig mitnehmen – und damit auch ein Stück Geborgenheit.

Eingespieltes Team

Überhaupt schätzt Laura Quarg die Zusammenarbeit mit einem eingespielten Team, arbeitet etwa mit Fechtmeister Klaus Figge und Komponist Thomas Unruh nicht erst seit ihrem Debüt bei den Bad Hersfelder Festspielen zusammen. Meist steht Laura Quarg im Doppelpack mit ihrer Zwillingsschwester Lisa auf die Bühne, die nach der Geburt ihres Kindes derzeit aber pausiert. „Wir streiten uns jeden Tag, trotzdem sind wir uns nahe wie keinem anderen Menschen“, beschreibt die 30-Jährige dieses besondere Verhältnis. „Wir wissen, was der andere denkt“, erzählt sie. Das mache die Zusammenarbeit zwar anstrengend, aber auch besonders effektiv.

Schätzt die besondere Atmosphäre der Bad Hersfelder Stiftsruine: Regisseurin und Schauspielerin Laura Quarg. Ihre Leidenschaft für das Theater entdeckte sie bereits mit acht Jahren im Wuppertaler Tanztheater.

Ihre Leidenschaft für Theater entdeckten die Schwestern mit acht Jahren im Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch, wo ihre Mutter als Tänzerin engagiert war. „Seither haben wir gesagt, wir wollen Theater und Tanz studieren“. Bereut hat Laura Quarg diese Entscheidung bisher nicht. Auf die Idee haben sie sowohl Stücke für Kinder als auch für Erwachsene gebracht; ohnehin schätzt Laura Quarg diese strikten Kategorien nicht. „Am schlimmsten ist einfach nur buntes Kindertheater, bei dem die jungen Zuschauer nicht ernst genommen werden“, ist sie sicher.

Auch wenn die Bad Hersfelder Festspiele nicht die erste Freilichterfahrung für Laura Quarg sind, die Atmosphäre hier sei einzigartig. „Die Ruine macht süchtig“, betont die Schauspielerin und Regisseurin. Allein schon die Größe mache es möglich, auch mit großen Bildern zu arbeiten. Die Entscheidung über eine mögliche Wiederkehr im kommenden Jahr liege ja nicht allein bei ihr, betont Laura Quarg. „Aber ich wünsche es mir sehr“.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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