Bad Hersfelder Festspiele: Gut gelaunte Regisseure beim Probenauftakt

Für die Ruine geschrieben

Da waren sich die Festspiel-Regisseure mit dem Intendanten einig – alle Stücke wurden eigentlich für die Ruine geschrieben: Janusz Kica (oben, „Das Dschungelbuch“), Jean-Claude Berutti (unten links, „Hamlet“), Andrea Thiesen („Draußen vor der Tür) und Gil Mehmert („Sunset Boulevard“). Fotos: roda

Bad Hersfeld. „Es gibt Sommerfestspiele, und es gibt Bad Hersfeld. Sie werden es merken,“ stellte Intendant Holk Freytag selbstbewusst fest, als er gestern das nahezu 200-köpfige Ensemble für die Bad Hersfelder Festspiele 2011 vorstellte.

Denn für die von ihm betitelte „Reise in die Gegenwart“ – so lautet in diesem Jahr das Motto aller Produktionen – hat Freytag Mitstreiter gewonnen, die das Selbstbewusstsein ihres Chefs wie einen Spielball aufnahmen.

Als der Intendant nämlich zum wiederholten Mal darauf hinwies, dass Umberto Eco seinen Klosterkrimi „Der Name der Rose“, den Freytag selbst inszenieren wird, eigentlich für die Stiftsruine geschrieben habe, machten die anderen Regisseure aus dieser Bemerkung einen Running Gag und verkündeten bei ihren Stück-Vorstellungen mit heiligem Ernst, dass auch „Sunset Boulevard“, „Hamlet“ und „Das Dschungelbuch“ mit Blick auf die Bad Hersfelder Spielstätte verfasst worden seien.

„Wir dürfen nicht“

Das nahm schließlich auch Andrea Thiesen für Borcherts Stück „Draußen vor der Tür“ in Anspruch: „Doch wir dürfen da nicht spielen,“ maulte die Regisseurin, die mit ihrer Produktion in der Schilde-Halle zu sehen sein wird. Doch sie tröstete sich damit, dass es in der Ruine „oft so kalt ist wie draußen vor der Tür.“

Die Ensemblebegrüßung war für den Intendanten auch Anlass, sich öffentlich bei den Mitarbeitern der städtischen Festspielverwaltung für die Unterstützung während „schwieriger Vorbereitungen“ zu bedanken. Gemeint war damit wohl die Zeit, als Freytag wegen einer Bypass-Operation außer Gefecht war beziehungsweise noch der Schonung bedurfte.

Bürgermeister Thomas Fehling hieß die Theatermacher in der Stadt willkommen und zeigte sich überzeugt davon, „dass Sie die vielen Gäste, die nach Bad Hersfeld kommen, begeistern werden.“

Von Alia Shuhaiber und Karl Schönholtz

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