Bad Hersfelder Festspiele 2011: Intendant Holk Freytag präsentiert sein Ensemble

Für die Ruine geschrieben

Anna Franziska Srna

Bad Hersfeld. „Wie sind Sie eigentlich auf mich gekommen?“, wollte Schauspieler Hans Peter Korff wissen, warum Festspielintendant Holk Freytag ausgerechnet ihn für die Rolle des William von Baskerville im Kloster-Krimi „Der Name der Rose“ ausgewählt hatte.

Freytags Antwort bei der öffentlichen Vorstellung des Ensembles für die bevorstehende Spielzeit des Bad Hersfelder Theaterfestivals am Samstag in der gut besuchten City Galerie hatte mit Überzeugungen zu tun. Denn so wie der Intendant überzeugt davon ist, dass Umberto Eco seinen Roman eigentlich für die Kulisse der Stiftsruine geschrieben hat, so wächst auch beim Regisseur Holk Freytag nach der Auswahl des Stückes die Überzeugung, dass der und kein anderer die jeweilige Rolle spielen muss.

Bei Hans Peter Korff – dem Fernseh-Publikum bekannt aus „Diese Drombuschs“ und „Neues aus Uhlenbusch“ – rannte der Intendant mit seiner Besetzungs-Idee dann sogar offene Türen ein: „Den größeren Teil von zehn Minuten“, so plauderte er aus dem Nähkästchen, hätten die Verhandlungen über ein Engagement bei den Festspielen gedauert.

Korff war eines von vier Ensemblemitgliedern, die das interessierte Hersfelder Publikum schon einmal vorab kennenlernen durfte: Larissa Aimée Breidbach, die Ophelia in „Hamlet“, Uwe Wewelsiep, der Baloo im „Dschungelbuch“ und Komponist Wolfgang Schmidtke, der dafür die neue Musik geschrieben hat, erzählten im Gespräch mit Holk Freytag, was sie nach Bad Hersfeld gebracht hat, wie sie ihre Rolle sehen, woher sie kommen und was sie bisher gemacht haben.

Jungen Menschen Weltliteratur nahezubringen ist ein erklärtes Ziel des Festspielintendanten, die Spielzeit-Eröffnung mit dem „Dschungelbuch“ deshalb ein „Signal, welchen Stellenwert Familientheater für uns hat“.

Das diesjährige Motto „Reise in die Gegenwart“ sei zwar an sich unsinnig, bekannte Freytag, doch es lasse Bezüge zu allen Stücken auf dem Spielplan zu. Als ein Beispiel nannte er Borcherts „Draußen vor der Tür“, bei dem in der Schilde-Halle kein Weltkriegs-Heimkehrer auftreten wird, sondern ein Migrant.

Gesungene Kostprobe

Viele Namen und viele, zum Teil tiefschürfende Gedanken bekamen die Zuhörer am Samstag präsentiert (Hans Peter Korff sprach scherzhaft sogar von „Zumüllen“), dafür am Ende jedoch auch einen musikalischen Leckerbissen: Uwe Wewelsiep und Wolfgang Schmidtke gaben mit Stimme und Klavier beim „Honigbären-Blues“ schon ‘mal eine Kostprobe vom Festspiel-Dschungelbuch. Die war immerhin so eingängig, dass sich mancher zum Mitsingen animieren ließ.

Ergänzend zur Pressekonferenz vom Freitag (siehe Samstagsausgabe unserer Zeitung) konnte der Intendant zwei weitere Namen nennen: Rasmus Borkowski wird die männliche Hauptrolle des Joe Gillis an der Seite von Helen Schneider im Musical „Sunset Boulevard“ spielen, und Hersfeldpreisträgerin Anna Franziska Srna kehrt als Königin Gertrude im „Hamlet“ nach einem Jahr Pause zu den Festspielen zurück.

Die 61. Bad Hersfelder Festspiele beginnen am Freitag, 17. Juni, mit der Premiere von „Das Dschungelbuch“. Auf dem Spielplan stehen unter anderem die Musicals „Sunset Boulevard“ und „West Side Story“, Shakespeares „Hamlet“ und „Der Name der Rose“. Kartentelefon: 06621/201360. www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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