Wiederaufnahme von „Der Name der Rose“ funktioniert auch im dritten Jahr

Die Ruine brennt wieder

Die dramatische Schlussszene: Flammen lodern aus den Fenstern der Apsis. In Rauch und Feuerschein ist schemenhaft Emanuela von Frankenberg als Jorge von Burgos zu erkennen. Foto: drama-berlin/Iko Freese

Bad Hersfeld. Nun brennt sie wieder, die Stiftsruine in Bad Hersfeld. Zum dritten und letzten Mal wird Holk Freytags Inszenierung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ in der Bühnenfassung von Claus J. Frankl gezeigt und hat auch in diesem Jahr nichts von ihrer Faszination verloren.

Kann man sich einen besseren Ort denken für den Klosterkrimi, der im Jahr 1327 spielt und der so viel mehr ist, als nur ein Krimi? Wie auch im Nathan geht es hier um grundsätzliche Fragen der Religion. Und es geht – das stets präsente Thema der Festspiele 2013 – darum, wie Menschen miteinander umgehen. Um Gerechtigkeit und Diskriminierung, um Menschlichkeit und Machtstreben, um Liebe und Verblendung.

Mit weitgehend unverändertem Ensemble funktioniert die Inszenierung auch im dritten Jahr. Wenn Nebelschwaden durch die dunkle Ruine wabern, wenn die Mönche singend in ihren Kutten auf die Bühne ziehen oder wenn sie im Skriptorium miteinander diskutieren – Holk Freytag hat eine Fülle ausdrucksstarker Bilder geschaffen, die das Publikum faszinieren und in eine andere Zeit versetzen. Wesentlichen Anteil daran hat der Bad Hersfelder Chorverein mit seinen gregorianischen Gesängen.

Lea Willkowsky, die für die kürzlich Mutter gewordene Andrea Cleven neu im Ensemble ist und das namenlose Mädchen spielt, versteht es, ihre Rolle zwischen Unschuld und Leidenschaft zu gestalten und das Mädchen mit einer Aura von Geheimnis zu umgeben. Die übrigen Darsteller, allen voran der großartige Bernd Kuschmann als William von Baskerville, Emanuela von Frankenberg als greiser Jorge von Burgos, Uwe Schmieder als stets Unheil voraussehender Alinardus von Grotoferrata und Markus Gertken als unnahbarer Inquisitor Bernard Gui, sind mit ihren Rollen vertraut, ja fast verwachsen und spielen mit großer Überzeugungskraft. Publikumsliebling ist auch in diesem Jahr Lars Weström in der Rolle des in buntem Sprachmix kauderwelschenden, stets auf seinen Vorteil bedachten, aber großherzigen Salvatore.

Er alleine bewegt die verhalten applaudierenden Zuschauer zu etwas lebhafterem Beifall. Wie gebannt verharrt das Publikum in der fast ausverkauften Stiftsruine nach der dramatischen Schlussszene und beginnt erst auf ein Signal der Schauspieler hin zu klatschen.

Weitere Vorstellungen gibt es am 23. und am 28. Juli, jeweils um 21 Uhr.

Von Christine Zacharias

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