Die neue Orgel in der Stadtkirche wird zurzeit intoniert – 2011 wird Jahr der Orgel

Ruhe für den richtigen Ton

Chefintonateur Gregor Hieke (hinten) und sein Kollege Michael Friedel arbeiten seit Monaten an der Feinabstimmung der Orgelpfeifen in der Stadtkirche. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Ein einzelner Orgelton tönt durch das Schiff der Stadtkirche. Immer und immer wieder. Noch ist Chefintonateur Gregor Hieke von der Firma Eule nicht zufrieden. Er baut das klingende Unterteil der Pfeife wieder aus, klopft und biegt an der schwingenden Metallzunge herum, setzt alles wieder zusammen, baut es ein und probiert den Ton aufs Neue. Immer und immer wieder, so lange, bis er zufrieden ist. Dann ist die nächste Pfeife an der Reihe.

Klangentscheidend

Die Intonation, die Feinabstimmung der Pfeifen hinsichtlich Klangfarbe, Klangstärke sowie An- und Absprache unter maßgeblicher Berücksichtigung der Akustik eines Raumes, ist der umfangreichste und klangentscheidende, abschließende Arbeitsschritt beim Bau einer Orgel, erläutert das Lexikon auf der Internetseite der Orgelbaufirma Eule aus Bautzen. Seit Mitte August wird die neue Orgel in der Stadtkirche intoniert. Jede einzelne der 2995 Pfeifen wird so lange bearbeitet, bis ihr Ton genau stimmt. Drei Monate wird das mindestens dauern.

Dazu müssen Gregor Hieke und sein Kollege Michael Friedel Ruhe haben. Wenn zum Beispiel draußen rund um die Stadtkirche Dippenmarkt ist, die Händler ihre Waren anpreisen und die Musik vom Markt herüberschallt, dann müssen die Intonateure kapitulieren. Da haben sie keine Chance, die Feinheiten der Orgeltöne zu hören.

Tücher simulieren Publikum

Während der Intonation bleibt die Stadtkirche für Besucher geschlossen. Lange Tücher über den Bänken simulieren jedoch ein Konzertpublikum, denn natürlich klingt die Orgel anders in der leeren, als in der gefüllten Stadtkirche.

Nicht so leicht auszuschließen ist jedoch der Baulärm, der bei den Arbeiten am Neubau des direkt benachbarten neuen evangelischen Gemeindehauses entsteht. Deshalb wird, so erläutert Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch, der zurzeit die vakante Kantorenstelle an der Stadtkirche vertritt, zeitlich versetzt gearbeitet. Von sechs Uhr in der Frühe bis gegen 11 Uhr darf auf der Baustelle lautstark gearbeitet werden, danach sind nur noch weniger lärmintensive Tätigkeiten möglich. Ab 11 Uhr bis in die Nacht hinein sind dann die Inonateure mit ihrer sensiblen Arbeit dran.

Höchste Qualität

„Die Orgel wird hervorragend“, schwärmt Martin Bartsch schon jetzt. „Da können wir uns alle drauf freuen.“ Die Firma Eule sei eine der Top-Firmen im Orgelbau und liefere „wirklich höchste Qualität“. Vom Guss der Pfeifen über den Einbau bis hin zur Intonation liege alles in einer Hand.

Jahr der Orgel

Martin Bartsch, der vermutlich noch bis zum nächsten Sommer die Kantorenstelle vertreten wird, hat deshalb 2011 zum Jahr der Orgel ausgerufen. Die enorm vielen Spender und Sponsoren hätten es verdient, die Orgel richtig in all ihren Klangfarben und Möglichkeiten zu hören. Unter anderem sind eine internationale Orgelkonzertreihe im Sonner sowie eine wöchentliche Stunde der Orgel mit Musikern aus der Landeskirche jeden Samstag geplant. Das Orgeljahr wird am 1. Januar mit einem Neujahrskonzert eröffnet, kündigt Bartsch an.

Eingeweiht wird die neue Orgel mit einem Festgottesdienst, der am zweiten Adventssonntag, 5. Dezember, um 14 Uhr beginnt. Abends spielt Johannes Kleinjung ab 19.30 Uhr ein großes Orgelkonzert.

Von Christine Zacharias

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