„The King’s Speech“ unterhielt in der Stadthalle mit hochkarätiger Besetzung

Royale Sprachtherapie

Schlussapplaus: Harald P. Wieczorek (Winston Churchill), Herbert Schäfer (David, Prince von Wales und Premierminister Baldwin), Mona Perfler (Myrtle Logue), Steffen Wink (Lionel Logue), Götz Otto (George VI.), Daniela Kiefer (Elizabeth) und Christian Claaszen (Erzbischof von Canterbury und George V.) nach der Vorstellung. Foto: Teufel

Bad Hersfeld. Ein König, der bei Reden nur stammelt, aber einem Volk im zweiten Weltkrieg Mut machen soll – mit „The Kings’s Speech“, der persönlichen Geschichte des späteren Königs George VI., machten die Kempf-Theaterspiele am Donnerstagabend Station in der Stadthalle.

Zahlreiche Besucher erfreuten sich an einer anrührenden und nachvollziehbaren Darstellung der Entwicklung Georges VI. vom stotternden, verklemmten Herzog Albert von York zu einem König, der sich seiner Pflichten bewusst ist und gleichzeitig menschlich, wie seine Untertanen.

Das Publikum gewonnen

Hauptdarsteller Götz Otto gewann mit seinem Spiel von Beginn an das Publikum für sich. Als nervöser Stotterer, der unter den Hänseleien der Familie, dem royalen Versteckspiel und eigenen körperlichen Mängeln leidet, wirkte er glaubwürdig. Seine Regeltreue und Steifheit amüsierten beinahe ebenso sehr, wie sie betroffen machten. Der wunderbar weltfremde, und adelig-verschrobene Umgang des Königshauses mit der Welt außerhalb des Buckingham Palace bekam einige verdiente Lacher im Publikum. Der Tod des alten Königs George V. wird gezeigt als Persiflage eines verzweifelten Versuches sich selbst in den tragischsten Situationen nach Konventionen zu richten.

Der Sprachtherapeut Lionel Logue, den Prinzessin Elizabeth (Daniela Kiefer) für ihren Gatten „Bertie“, wie ihn die Familie nennt, engagiert, ist eigentlich „verkrachter Schauspieler“. In einer Art „Stück im Stück“, besuchte er immer wieder Castings und versagt, kommentiert von einer trockenen Stimme aus den Lautsprechern. Er mimte den unbegabten Schauspieler und den Sprachtherapeuten mit viel Witz und Charme. Besonders amüsierte das Publikum die Therapie Logues, der „Bertie bis aufs Blut provozierte, ihn zum Tanzen und Singen brachte und schließlich auch sein Vertrauen und seine Freundschaft gewann. Die Kabbeleien der beiden Männer, ähnlich denen eines alten Ehepaares, provozierten Lacher. Vor allem die adelige „Darmentleerung der Zunge“, bei der Logue seinen Patienten zum lauten und schmutzigen Fluchen animierte, amüsierte die Zuschauer.

Very British

In weiteren Rollen glänzten vor allem Mona Perfler als Ehefrau Lionel Logues mit ihren oft sarkastischen Kommentaren, sowie Herbert Schäfer in einer Doppelrolle. Als überheblicher, eigentlicher Thronfolger David, Prince von Wales, der Bruder Bertie seit der Kindheit veralbert und eine zweifach geschiedene Amerikanerin zu seiner Königin machen will, spaltet er die Lager nicht nur auf der Bühne. Als Premierminister Stanley Baldwin, Teil des Trios um Winston Churchill (Harald P. Wieczorek), kommentiert er trocken und wunderbar verklemmt, im schnellen Wortwechsel mit seinen Mitspielern, die Entwicklungen im Königshaus.

Verhaltene Kulisse

Das spärliche Bühnenbild erzeugte im Zusammenspiel mit der zeitweise schnellen und bewegten Darstellung der Schauspieler sowie den Rundfunkübertragungen von Reden sowohl des Protagonisten als auch Adolf Hitlers, über Lautsprecher eine angemessen zurückhaltende Kulisse.

Für diese herrliche Parodie der britischen Monarchie gepaart mit einer ehrlichen, emotionalen Darstellung des persönlichen Kampfes eines jungen Herzogs, bedankte sich das Publikum mit langanhaltendem Applaus.

Von Sabrina Ilona Teufel

Kommentare