In Rotenburg ist jetzt die Zeit für gute Ideen - ein Kommentar

Langsam verzieht sich der Pulverdampf. Das Protestfeuerwerk verhallt. Die Schlacht um die Alheimer-Kaserne ist verloren. Ein bitterer und schmerzhafter Verlust für unserer Region – ohne Frage!

Kai A. Struthoff über Rotenburg und die Bundeswehr

Doch wenn wir ehrlich sind, dann ist Hessen bei der Bundeswehrreform noch gut weggekommen. Bayern, Schleswig-Holstein oder Thüringen hat es härter getroffen. Ein schwacher Trost für uns. Und warum ausgerechnet die modernste Kaserne Hessens geschleift werden muss, warum sehenden Auges Investitionen von fasst 40 Millionen Euro durchs Kanonenrohr gejagt werden, das versteh’ ein anderer. Der Wahlbürger sicher nicht!

Festzuhalten bleibt, dass unser Kreis in Berlin und in Wiesbaden offenbar nicht genug Gewicht hat, um derartige Entscheidungen zu verhindern. Manche Kollegen schwärmen da noch von CDU-Kanthölzern wie Alfred Dregger aus Fulda: „So einer hätte das nicht mit sich machen lassen“, seufzen sie wehmütig.

Es ist schon seltsam, wie klaglos unsere Kreis-Politiker in Hab-Acht-Haltung gehen und jede Zumutung aus Berlin und Wiesbaden brav schlucken. Eine böse Presseerklärung, eine Protestnote – ein Sturm im Wasserglas. Aber wer schwach ist, kann auch nicht drohen.

Ob Helmut Heiderich sein Entlastungsangriff mit den vermeintlich falschen Zahlen etwas nützt? Abwarten. Die SPD will dafür Beweise sehen. Wenn Heiderichs Behauptung stimmt, wäre es ein Skandal. Wenn nicht, wäre es peinlich.

Blicken wir nach vorn. Unsere Region hat ja einige Erfahrung mit der Konversion, der Nach- und Neunutzung von Kasernen- oder Industriegebieten. Auf dem ehemaligen Bundesgrenzschutzgelände arbeitet jetzt Amazon – ein Erfolg für Bad Hersfeld und den Kreis, der freilich richtig Geld gekostet hat. Auch die Schilde-Industriebrache erstrahlt dank großzügiger, öffentlicher Förderung in neuem Glanz – auch wenn hohe Folgekosten ausstehen und sich das wortreich noch rechnen muss.

Immerhin aber war da eine Vision von der Zukunft nach dem bitteren Verlust des guten Alten. Solche Ideen braucht jetzt auch Rotenburg. Gewiss, die Alheimer-Kaserne liegt an der Peripherie der Stadt, die Verkehrsanbindung ist eher abenteuerlich, die Autobahnanbindung fehlt.

Doch in Zeiten moderner Datenübertragung ist es eigentlich egal, wo man arbeitet. Also könnte man auch in der schönen Wohnstadt Rotenburg zukunftsfähige Arbeitsplätze ansiedeln – gern auch von staatlichen Behörden. Rechenzentren, Verwaltungseinheiten wie etwa die neue Zentrale zu Überwachung von Freigängern, Computerfirmen. Vieles ist denkbar. Aber ist es machbar?

Land und Bund wollen helfen. Sie sind in der Pflicht. Nehmen wir sie beim Wort.

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