Shakespeares Liebesdrama lockte vor allem Schüler in die Bad Hersfelder Stadthalle

Romeo reizt die Jugend

Tragisches Ende einer Liebe auf der Bühne der Stadthalle: Romeo hat Gift zu sich genommen, weil er dachte, dass seine Julia tot ist. Als Julia erwacht, ersticht sie sich vor Verzweiflung mit einem Dolch. Foto: American Drama Group Europe/nh

Bad Hersfeld. Wer kennt sie nicht? William Shakespeares Geschichte von Romeo und Julia. In der Bad Hersfelder Stadthalle zog das Drama, das die American Drama Group Europe in englischer Sprache aufführte, so viele Zuschauer an, dass fast keine Plätze mehr frei waren. Das Besondere daran: 90 Prozent des Publikums bestand aus Schulklassen, die sich die Darbietung des Abo-Theaters ansahen.

Handys klingeln und piepsen, ein Junge verteidigt seine Gummibärchen, die er als Verpflegung mitgebracht hat, und eine Reihe weiter vorn wird kichernd über die Deutschhausausgaben gesprochen. Doch als es plötzlich dunkel wird und der Vorhang aufgeht, verstummen die Jugendlichen augenblicklich. Alle Augen sind auf die Bühne gerichtet.

Der Grund für das große Interesse der Schüler: Bis heute hat Shakespeares Literatur offenbar ihren Platz im Lehrplan behalten. Ein blondes Mädchen mit Zahnspange bestätigt: „Ich ziehe mir das hier nur rein, weil es im Abi dran kommt.“

Auch wenn vermutlich nicht alle jungen Zuschauer ganz freiwillig in die Stadthalle gekommen sind, ist die Interpretation des Regisseurs Paul Stebbings bei den meisten gut angekommen. „Es hat zwar etwas gedauert, um sich hineinzuhören, aber ich fand es nicht schlecht“, sagt die 18-jährige Leonie Kramer, die auf die Ursulinenschule in Fritzlar geht. Mit zwei Englischkursen war die Schule an diesem Abend in Bad Hersfeld.

„Mir hat die Amme am besten gefallen. Sie hat mich fasziniert, weil sie so lustig war“, sagt Carolin Ackermann, die die Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg besucht. Ihre Klassenkameradin Carolin Rödel war ebenfalls vom Stück überzeugt: „Weil die Theaterdarstellung klassisch war und nicht verfremdet wurde, fand ich es gut“, sagt die 18-Jährige. „Die Julia hat mir gefallen, weil sie wirklich gut gespielt wurde“, findet Madeleine Willich, die die Beruflichen Schulen in Bebra besucht.

Nicht alle waren von der Darbietung begeistert. Zu den kritischen Betrachtern gehörte die 19-jährige Julia Siebert. „Ich hatte es mir irgendwie besser vorgestellt. Die Kostüme haben mir nicht gefallen, und das Bühnenbild war billig“, sagt die Schülerin der Beruflichen Schulen in Bebra. Julia und ihre Mitschüler haben das Stück kürzlich in Englisch durchgenommen. Eine Pflichtveranstaltung war der Abend für Julia aber nicht: „Ich bin freiwillig hier.“ 3 Fotos: Backovic

Von Dorothea Backovic

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