Bildersuchfahrt und Austellung in der Bad Hersfelder Innenstadt

Romantik und Uniformen bei den 8. Mückenstürmer Classics

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Staunen und erinnern: Viele Besucher der Bad Hersfelder Innenstadt interessierten sich für die „alten Schätzchen“, die im Rahmen der 8. Mückenstürmer Classics ausgestellt wurden.

Bad Hersfeld. Dass ein Oldtimer oft viel mehr ist als einfach nur ein Fahrzeug, wurde einmal mehr bei den 8. Mückenstürmer Classics am Samstag in Bad Hersfeld deutlich.

„Zum 18. Geburtstag schenkte mir mein Onkel eine BMW Isetta“ erzählt Volkmar Benzkirch aus Hünfeld, der mit seiner liebevoll restaurierten Isetta vor der City-Galerie steht. „Nach vier Monaten gab sie leider mit einem Getriebeschaden den Geist auf. In diesen vier Monaten hatte ich allerdings das Glück, meine Frau kennen zu lernen“ fährt er fort, um auf Nachfrage zu ergänzen, dass er seiner Frau – und diese ihm – bis heute treu geblieben ist.

Das Schmuckstück, mit dem er zur Mückenstürmer Classics nach Bad Hersfeld gekommen ist, hat er im Frühjahr 2015 erworben. Baujahr 1957 schnurrt der 12 PS starke 250 ccm Motor immer noch wie eine Eins. Knapp sechs Monate hat er an dem Oldtimer noch gewerkelt, um schließlich mit seiner Frau in einer tipptopp restaurierten Isetta zur Feier ihrer Goldenen Hochzeit vor der Kirche vorzufahren. Das ist sicherlich eine der romantischsten Geschichten aus der langen Reihe von Anekdoten und Histörchen, die sich um die zahlreichen Old- und Youngtimer ranken, welche am Samstag anlässlich der inzwischen 8. Mückenstürmer Classics die Bad Hersfelder Fußgängerzone wieder einmal in ein Freiluft-Automobil-Museum verwandelten.

Auch Gabriela und Michael Kaufholz aus Reichensachsen haben mit ihrem Cadillac Eldorado, einem riesigen Oldschool-Straßenkreuzer, an dessen Rückspiegel stilecht ein „Elvis“ baumelt, schon einiges erlebt. 2002 von einem Sammler im Allgäu erworben, ging es nach der Restaurierung unter anderem nach Frankreich an die Loire, zum „Cadillac Big Meet“ nach Österreich, in die Niederlande und für 2017 ist eine Reise nach Dänemark zum europäischen Cadillac-Treffen geplant. „Normalerweise tragen wir 50er-Jahre Klamotten; mit Petticoat und allem, was dazu gehört, da wir mit dem Erwerb des Cadillacs wir auch das Rock‘n’Roll Tanzen für uns entdeckt haben“, erzählt Gabriela.

8. Mückenstürmer Classics in Bad Hersfeld

Diesmal sind die beiden allerdings in tadellos sitzenden GI-Uniformen erschienen, „weil wir auch mal etwas anderes anziehen wollten und die Uniform doch prima zum Auto passt“, grinst Michael Kaufholz, der mit seiner Sonnenbrille irgendwie an Jack Nicholson erinnert.

Ein echter Hingucker war der Bricklin SV1 von Michael Mangold aus Reichensachsen bei Eschwege. Das einzige Modell des kanadischen Herstellers Bricklin war ein Sportwagen, von dem zwischen 1974 und 1976 lediglich 2875 Exemplaren produziert wurden. Er wies für seine Zeit völlig neuartige Sicherheitsmerkmale (SV steht übrigens für safety vehicle) auf. Dazu zählten die Stoßfänger, die Zusammenstößen mit 19 km/h standhielten und die geschweißte Stahlstruktur als hochstabile Fahrgastzelle, die die Insassen bei Unfällen schützt.

Der SV1 hatte Flügeltüren, Klappscheinwerfer und eine Glasfaserkarosserie. Mangold hat sein Exemplar in wie er sagt „recht erbärmlichem Zustand“ von einem Schweizer Sammler, bei dem das gute Stück 20 Jahre „vor sich hin gammelte“ erworben. Nach drei Jahren Arbeit hat er seinen SV1 in einen „noch nicht perfekten, aber vorzeigbaren Zustand“ gebracht. „In ganz Deutschland gibt es einschließlich meinem nur drei Bricklin SV1“, berichtet Mangold stolz.

Bereits zum achten Mal hatte der Motorsportclub Bad Hersfeld mit Unterstützung durch das Mode-Centrum Sauer, der Firma Intercept und dem Stadtmarketing Bad Hersfeld die „Mückenstürmer Classics" organisiert.

Bei strahlend blauem Himmel waren die Teilnehmer um 9.30 Uhr zu einer Bildersuchfahrt gestartet, von der sie nach und nach auf dem Linggplatz eintrafen. Dort stand die große Überfahrtbühne, an der Christian Otto kenntnisreich die Old- und Youngtimer in einem Kurzinterview mit den stolzen Besitzern vorstellte, bevor sie dann im Schritttempo in die Fußgängerzone fuhren, um dort ausgiebig bewundert zu werden.

Von Thomas Landsiedel

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