Büchner-Preisträger Martin Mosebach las in der Hoehlschen Buchhandlung

Ein Roman in Gemälden

Im fruchtbaren Dialog mit den Lesern: Martin Mosebach signiert nach seiner Lesung in der Hoehlschen Buchhandlung Bücher. Foto:  Schönholtz

Bad Hersfeld. Wer Martin Mosebachs neuen Roman „Was davor geschah“ zur Hand nimmt, der hat vermutlich nicht gleich die Gemälde des Niederländers Jan Vermeer im Sinn.

Doch das Publikum in der Hoehlschen Buchhandlung, das am Dienstagabend zur Lesung mit Mosebach in die Bad Hersfelder City Galerie gekommen war, erfuhr aus dem Mund des Büchner-Preisträgers, dass ihm Vermeers Bilder vom Blick in Räume eine wesentliche Inspirationsquelle waren.

Dichtung und Wahrheit

„Ein Buch in Stillleben“ nannte Mosebach seinen Roman, der ein Gespräch zwischen Liebenden zum Anlass nimmt, ein breit angelegtes Gesellschaftspanorama zu zeichnen. Dazu angeregt hatte den Schriftsteller das persönliche Erlebnis der Wiederbegegnung mit einer Frau, die er 30 Jahre lang nicht gesehen hatte.

Die Frage, was in der Zwischenzeit geschah, beantwortet der Roman laut Mosebach in einem „Zopf aus Dichtung und Wahrheit“ mittels zahlreicher, nur locker miteinander verknüpfter Geschichten. Der Dialog von Mann und Frau dient dabei als Rahmen.

Obwohl der Autor nach eigenem Bekunden bei seiner Beschreibung von Charakteren und Verhalten lieber vieldeutig bleiben wollte, als mit einer Botschaft oder gar einer Doktrin aufzuwarten, erkannten seine Leser im zuweilen „rätselhaften Geschehen“ die wiederkehrenden morbiden Symbole: Hier eine Erfrischung verheißende Orange, die sich nach dem Schälen als trocken und strohig erweist, dort eine entlaufene Katze, die vom Auto überfahren wird.

Das Erkennen dieser „kleinen Brüche“ erfreute Mosebach im Gespräch mit seinem Publikum genauso wie das Lob für den Rhythmus seines Textes: „Es ist mir wichtig, mir die Prosa als gesprochene Sprache vorzustellen. Ich lese mir meine Texte auch selber vor,“ sagte der Schriftsteller.

Subtiler Humor

Auch als sein subtiler Humor immer wieder für Erheiterung sorgte, fühlte er sich von seinen Zuhörern verstanden.

Im Anschluss an Vortrag und Diskussion signierte Mosebach bei einem Glas Wein noch fleißig Bücher und beantwortete gerne viele weitere Fragen.

Hochzufrieden war mit der Veranstaltung auch Buchhändler Jürgen Bode. Das gut 60-köpfige Publikum hatte für ein „volles Haus“ gesorgt.

Info: Martin Mosebach, „Was davor geschah“, 330 Seiten, Hanser Verlag, München, 21,90 Euro

Von Karl Schönholtz

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