Focus-Herausgeber wird im "Datterich" am Eichhof zu sehen sein

Die Rolle bei den Festspielen bläut sich Helmut Markwort ein

Journalist und Schauspieler: Helmut Markwort in seinem Kostüm aus der Datterich-Inszenierung. Foto: Privat

Bad Hersfeld. Der Focus-Herausgeber und Journalist Helmut Markwort wird bei den Bad Hersfelder Festspielen in dem Stück „Datterich" am Eichhof zu sehen sein.

Über das Stück und seine Ausflüge in die Schauspielerei sprach Kai A. Struthoff mit Markwort.

Herr Markwort, Sie sind einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands. Trotzdem zieht es Sie regelmäßig auf die Bühne. Reicht Ihnen das tägliche Theater in der Redaktion nicht aus?

Helmut Markwort: (lacht) In unserem Beruf muss man ja mit seinen eigenen Texten arbeiten. Mich reizt an der Schauspielerei, dass man es dort mit fremden Texten zu tun hat und in andere Rollen schlüpft. Das ist für mich ein Vergnügen. 

Auch als Journalist muss man ja zuweilen in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Hat Ihnen Ihr Schauspieltalent auch im Beruf geholfen?

Markwort: Es gibt Leute, die scherzen, ich sei ein „Chefredakteurs-Darsteller“. Als Journalist muss man auch selbst zur Marke werden - zumindest wenn man Chefredakteur eines großen Magazins ist. Dazu gehören dann öffentliche Auftritte, zum Beispiel in Talkshows. Dabei hilft es, wenn man weiß, wo man Pausen machen und wie man Pointen setzen muss.

Sie spielen auf Schloss Eichhof im „Datterich“ den Herrn Dummbach. Zu diesem Stück haben Sie eine ganz besondere Beziehung ... 

Markwort: Ich bin ja geborener Darmstädter. Und der Datterich ist eine Posse in Darmstädter Mundart. Viele halten es für eines der besten deutschen Lustspiele - ich übrigens auch. Das Stück hat aber den Nachteil, dass es außerhalb von Darmstadt nicht leicht verständlich ist. Wir werden uns jedoch in Hersfeld große Mühe geben, dass die Zuschauer uns trotzdem verstehen.

Fangen wir gleich mit der Übersetzung an: Was heißt denn „Datterich“? 

Markwort: Das ist der Name der Hauptfigur - ein Schnorrer, ein Lebenskünstler, der sich in den Wirtshäusern herumtreibt und sich mit Kartenspielen durchschlägt. Woher der Autor Ernst Elias Niebergall den Namen hat, weiß ich nicht. Er hat aber nichts mit einem Tatterich zu tun. Der Datterich zittert im Stück nur dann, wenn er seine Schulden bezahlen soll.

Die Akteure in dem Stück sind alle keine hauptberuflichen Schauspieler, oder?

Marktwort: Das stimmt. Es war immer ein Ensemble aus Theaterliebhabern, das aus dem Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt hervorgegangen ist. Aus dieser Zeit sind noch vier oder fünf Akteure dabei. Ich bin ein großer Anhänger des Liebhaber-Theaters, so wie übrigens auch Goethe. Zum Ensemble gehört auch der TV-Börsen-Experte Frank Lehman und ein Hersfelder, nämlich Ottmar Berbalk... 

...der früher mal bei der Hersfelder Zeitung und der HNA gearbeitet hat, bevor er dann mit Ihnen den Focus aus der Taufe gehoben hat. 

Markwort: Genau, und ich habe ihn überredet mitzuspielen. Berbalk spielt einen der vielen Schuldner des Datterich. Er ist sozusagen unser Hersfelder Botschafter und wird seine Rolle auf Hersfelderisch sprechen. Der Regisseur hat nämlich gesagt, sein Darmstädter Dialekt klingt, als würde er französisch parodieren. 

Ihren berühmten Ausspruch „Fakten, Fakten, Fakten“ hören wir in den Stück wohl nicht?

Markwort: Nein, das käme zwar vermutlich gut an, aber das mache ich nicht, obwohl ich schon an einigen Stellen improvisiere.

Wie kam es überhaupt zu dem Kontakt zu den Bad Hersfelder Festspielen?

Markwort: Dieter Wedel hat mich persönlich angerufen und eingeladen. Wir beide sind sehr enge und gute Freunde von Günther Strack gewesen, mit dem ich auch schon zusammen im „Datterich“ gespielt habe. Auch Strack war ja Darmstädter. Und seither gibt es den Kontakt zu Wedel.

Nun haben ja unsere Festspiele im vergangenen Jahr nicht nur positive Schlagzeilen gemacht. Wie haben Sie das in München aufgenommen?

Markwort: Ach Gott, auch bei uns in München gibt es immer Streit in den Theatern und um die Theater. Theater ist nun mal ein lebendiges Medium. Ich fand es schon originell, wie sich das Ensemble für seinen alten Intendanten eingesetzt hat. Auch wenn ich die Einzelheiten nicht kenne, so glaube ich doch nicht, dass dieser Streit den Bad Hersfelder Festspielen in der Öffentlichkeit geschadet hat.

Mit Verlaub gefragt, Herr Markwort, Sie sind ja in einem Alter, in dem man es Menschen nachsieht, wenn Sie mal etwas vergessen. Wie schaffen Sie es da, ihre Texte zu lernen.

Markwort: Ich gestehe, dass ich Namen vergesse und mich auch an manche Menschen schlecht erinnere, obwohl sie sogar in meiner Fernsehtalkshow zu Gast waren. Aber die Texte bläue ich mir ein, um sie auch wirklich 150-prozentig zu können. Ich spreche mir die Texte daher laut vor, und bei mir daheim liegt in fast jedem Zimmer ein Exemplar des „Datterich“ zum Nachschlagen. Ich vergesse lieber zehn Namen von Menschen als meinen Text.

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