Wochenendporträt: Der Leiter der Kripo in Bad Hersfeld ist nun Ruheständler

Polizist Dieter Röbig: Ein Rocker mit Spürnase

+
Einmal auf der anderen Seite: Erster Kriminalhauptkommissar Dieter Röbig steht vor der grauen Wand, die sonst Verdächtigen vorbehalten ist, wenn sie kriminaltechnisch behandelt und fotografiert werden.

Bad Hersfeld. Den Weg zur Polizei hat Dieter Röbig vor 40 Jahren per Zufall gefunden. „Ich wollte keinen Wehrdienst ableisten und so bin ich nach dem Abitur in den Polizeidienst gerutscht“, erklärt der 60-jährige Leiter der Hersfelder Kriminalpolizei.

Doch schon nach kurzer Zeit stellte er fest, dass er für den Schutz- und Bereitschaftsdienst eigentlich auch nicht geboren worden war. So bahnte sich im Jahre 1982 ein Laufbahnwechsel zur Kriminalpolizei an. Und „seiner“ Kripo blieb Röbig bis zu seinem Dienstende am vergangenen Donnerstag treu.

Innerhalb des Teams war Dieter Röbig als Chef anerkannt. Wie anders ist es zu erklären, dass ihm sein Team ein Abschiedsgeschenk machte, über das sich jeder Rocker freuen würde? So schickte ihn das Kripo-Team am 15. Juni, zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag, zum Zusatzkonzert der Rocker-Bust-Tour von AC/DC nach Düsseldorf. „Das war ein tolles Erlebnis. Auch wenn Axl Rose nicht bei jedem Lied als Sänger überzeugte“, erklärt Röbig, der AC/DC schon in jungen Jahren und damals in der ursprünglichen Formation mit Bon Scott am Mikrofon erlebte.

Damals, Ende der Siebziger Jahre, noch als Bereitschaftspolizist in Hanau, erlebte er viele Stars hautnah. „In der Kneipe ,Zur Blum‘ in Alt-Sachsenhausen haben die Stars nach ihren Auftritten abgehangen und gefeiert. Und wir waren als junge Fans mittendrin. Dort liefen auch die ersten Musikvideos. Das war ein richtiger Szenetreff, den es heute leider nicht mehr gibt“, erinnert sich Röbig.

Seine Haare sind mittlerweile wesentlich kürzer geworden, doch das Feuer für die Musik ist noch lange nicht erloschen. Auch Udo Lindenberg findet er toll. „Er hat mich von ,Daumen im Wind‘ an immer begleitet. Ich liebe sein Gesamtkunstwerk. Früher waren seine Auftritte schon etwas Besonderes. Zu jedem Lied gab es eine anderes Bühnenbild – ob bei Rudi Ratlos oder Elli Pirelli“, schwärmt Röbig. Auch als Kommissar ist er immer Rocker geblieben.

Natürlich hat der 60-Jährige auch in seinem eigentlichen Beruf als Kriminalbeamter viele interessante und auch intensive Tage hinter sich gebracht. Rückblickend erinnert er sich an einige Fälle, die er als Kripo-Mann mit seinen Kollegen aufzuklären hatte. Dabei ist keine Straftat wie die andere. Bei Tötungsdelikten beispielsweise gilt es für die Beamten, die nötige Distanz zu wahren, um nicht selbst schon ein Urteil zu fällen, oder vielleicht Partei für das Opfer zu ergreifen oder gar Verständnis für das Handeln des Täters zu entwickeln. Dieter Röbig hat das stets geschafft. (rey)

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Zeitung und im E-Paper.

Kommentare