Berufliche Schulen Bad Hersfeld arbeiten mit innovativer Computer-Technik

Roboter für die Zukunft

Sorgen für moderne Technik, indem sie programmieren: von links Schulleiter Falko Radewald, Daniel Mazurkiewicz, Lehrer Michael Weiser mit einer Solarzelle, die der Sonne hinterherwandert, Waldemar Östreich, Daniel Weix und Mike Stark. Foto:  Backovic

Bad Hersfeld. Michael Weiser und seine Studierenden feiern eine Party. Becher, Zigarettenstummel und Servietten zieren den Boden. Eine Putzfrau wäre jetzt toll, aber Weiser und seine Schützlinge haben etwas Besserers: einen innovativen Lego-Roboter. Er hebt den Müll auf und beseitigt das Chaos. So könnte vielleicht die Zukunft aussehen, wenn sich die Idee der Studierenden der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld durchsetzt.

Möglich ist dieser Erfindungsreichtum dadurch, dass die Beruflichen Schulen eine besondere Programmierumgebung für Computer, LabView genannt, besitzen. Die Beruflichen Schulen sind auch die einzige Einrichtung in Nordhessen, die die Zertifizierung „LabView Academy“ besitzt. Vergeben wird sie von der amerikanischen Herstellerfirma National Instruments.

Zu den Programm-Kreationen der Beruflichen Schulen gehörte im vergangenen Jahr auch eine automatisierte Parkhaus-Steuerung. Eine Kamera erfasste das jeweilige Nummernschild und glich die Daten ab. Dadurch erübrigte sich das Ziehen eines Parktickets. Außerdem entwickelten Weisers Schüler eine Solarzelle, die mit der Sonne wandert. Die Software, die sie im Unterricht erstellt hatten, erkennt, wohin das Licht geht und lässt die Zelle den Strahlen folgen.

Alle 14 Studierenden, die jetzt von Weiser unterrichtet werden, haben bereits eine abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung. Innerhalb von vier Semestern machen sie ihren Techniker und arbeiten vier Stunden pro Woche mit der Programmierumgebung. Ihr Ansporn: Um sich bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu sichern, streben sie ein Zertifikat im Umgang mit LabView an. „Für unsere Schule ist LabView ein Aushängeschild. Deswegen soll der Unterricht auch in Zukunft kontinuierlich angeboten werden“, sagt Schulleiter Falko Radewald.

„LabView ist für mich interessant und zukunftsorientiert, denn damit habe ich die Chance, auch in größeren Firmen zu arbeiten“, erklärt der 25-jährige Daniel Mazurkiewicz, der zu einer der kleinen Projektgruppen Weisers gehört. Mit drei anderen jungen Männern arbeitet der Elektroinstallateur an dem Roboterprojekt.

Ein Vorteil der Programmierumgebung ist die - in Techniker-Kreisen - einfache Handhabung. Mechatroniker Daniel Weix schildert seine Erfahrungen: „Es ist ein großer Unterschied zu anderen Programmen, weil wir grafisch programmieren - und zwar mit Symbolen. Dadurch ist es einfach zu lernen.“ Weiser bestätigt: „Die Entwicklungszeit lässt sich so um rund ein Viertel reduzieren.“ Das Zertifikat kostet im Normalfall über 3000 Euro pro Person, sagt Weiser. Da die Beruflichen Schulen aber die Zertifizierung haben, fallen für die Kursteilnehmer nur 50 Euro Gebühren für Übungsmaterialien an.

Von Dorothea Backovic

Kommentare