Bäckermeister spendete Bauwerk seiner Heimat

Robert-Heil-Turm wird 85 Jahre alt

Der Robert-Heil-Turm hat Geburtstag: Unser Archivfoto zeigt den beliebten Ausflugsort auf dem Tageberg oberhalb der Stadt festlich geschmückt. Archivfoto: Janßen/nh

Bad Hersfeld. Seinen 85. Geburtstag feiert am Sonntag, 16. August, der Robert-Heil-Turm auf dem Tageberg. Auf diesen Jahrestag weist der pensionierte Bad Hersfelder Bäcker Hans-Heinrich Jäger (Bäckerei Jäger) hin.

„Robert Heil war ein Kollege von mir. Er wurde 1868 in Bad Hersfeld geboren. Seine Eltern betrieben eine Bäckerei. Er selbst war beruflich lange Zeit in Berlin tätig, bevor er wieder nach Bad Hersfeld kam“, erzählt Hans-Heinrich Jäger.

Nachdem Jäger die Leitung des Bäckereibetriebs weiter gegeben hatte, fand er die Zeit, sich intensiver mit der Geschichte Robert Heils auseinanderzusetzen. Er hatte ihn selbst in den 50er Jahren vage als Person erlebt. Vor sieben Jahren verfasste Jäger dann ein Buch mit den Lebenserinnerungen Robert Heils. Ein Exemplar davon ist in der Bad Hersfelder Stadtbibliothek einzusehen.

Hofbäcker des Kaisers

„Ich erwähnte darin seine erfolgreiche Zeit im Berlin der Kaiserzeit“, erklärt Jäger. Robert Heil sei, nachdem sein Vater gestorben war, nach Berlin in die Lehre eines Bäckers in der berühmten Straße „Unter den Linden“ gegangen. Bald schon übernahm er den Betrieb und machte sich selbstständig. Robert Heil sei so erfolgreich gewesen, da er forschrittlich dachte und sich auch für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter einsetzte.

Heil sei außerdem Hofbäckermeister des Kaisers gewesen und habe dort, obwohl er als Handwerker angestellt war, an vielen Festen teilgenommen. Er eröffnete mehrere Filialen in ganz Berlin. „Doch mit dem Krieg kamen die Bomben und Enteignungen, berichtet Jäger. Heil sei darauf hin 1946 in seine Heimatstadt Bad Hersfeld zurück gekehrt. Zehn Jahre später starb Robert Heil, im gleichen Jahr wie Wilhelm Neuhaus.

Geschenk an die Heimat

Bereits 1930 schenkte Robert Heil den heute 85-jährigen Turm seiner Heimatstadt. Warum es sich bei dem Geschenk um einen Aussichtsturm handelt, kann Hans-Heinrich Jäger nur mutmaßen. Heil habe während seiner Zeit in Berlin oft den Kontakt zu Bad Hersfeld gesucht. „Die Schenkung geschah schlicht aus Heimatliebe“, sagt Jäger.

Als Robert Heil 1944 ausgebombt nur mit einem Handkoffer in Hersfeld ankam, wurde er auf sein Schicksal angesprochen. Er sagte: „Diese Gassen sind meine Freunde die mir treu geblieben sind. Sie haben mir viel zu erzählen“. Für sein Buch bekam Han-Heimrich Jäger Originalaufzeichnungen Heils von dessen Familie.

„Von dem Turm aus hat man jedenfalls einen wunderschönen Blick auf Stiftsruine und Stadtkirche sowie weit ins Fulda- und Haunetal, sogar bis hin zu den Ausläufern des Thüringer Waldes“, schwärmt Jäger. Außerdem berichtet er, dass dort viele Jahre lang die Freisprechungsfeiern der ausgelernten Hersfelder Bäcker aus Herstellung und Verkauf stattfanden. Wer den Blick genießen möchte, sollte sich am kommenden Sonntag einen Ausflug dort hin nicht entgehen lassen. Ein eigenes Festprogramm wird es zwar nicht geben, die Aussicht belohnt aber den Aufstieg – und das kostenlos. (sar)

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