Menschen jeden Alters jagen die kleinen Monster

Gespielt wird auf der Straße: Pokémon erobert Bad Hersfeld

Spielen nach der Schule: Michelle und Dominic sind begeistert vom neuen Handyspiel.

Bad Hersfeld. Auf der Weinstraße steht ein Monster und guckt unfreundlich. Ein wenig ähnelt es einem Nashorn, wäre nicht der Kamm auf dem Rücken und zwei schwarze Löcher an der Stelle, wo man Ohren erwarten würde. Schnell heißt es, ihm einen rot-weißen Ball entgegen zu werfen. Mit einem Treffer ist das „Rihorn“ gefangen.

Pokémon Go heißt das Handyspiel, das gerade viele Menschen fesselt und dessen Ziel es unter anderem ist, so viele Pokémon zu fangen wie möglich. Pokémon, das sind bunte Comicfiguren, die stets aussehen wie eine Mischung aus Tier und Fabelwesen. Sie entstammen einer Videospielserie des japanischen Herstellers Nintendo. Das besondere beim neuen Spiel: Die Comicfiguren werden mit in die reale Welt hineingeschnitten. Dank GPS kennt das Spiel den aktuellen Aufenthaltsort.

Das Rihorn wartet auf de Weinstraße.

Die Obersberg-Schüler Michelle, Oliver und Dominic haben am Donnerstag 40 Minuten für ihren Schulweg benötigt. Doppelt so lang wie sonst, das Spiel hat sie immer wieder aufgehalten. Obwohl es in Deutschland erst seit Mittwoch offiziell auf dem Markt ist, ist die 16-jährige Michelle schon in Level 10 aufgestiegen. „Mirgefällt besonders, dass man dabei viel draußen unterwegs ist“, sagt sie. Ihr fortgeschrittener Status ermöglicht es ihr, mit Mitspielern um sogenannte Arenen zu kämpfen. Das sind vom Spiel festgelegte Stellen, häufig an Sehenswürdigkeiten oder zentralen Orten einer Stadt. An der Stiftsruine beispielsweise oder im Kurpark.

Letzterer ist ein besonders beliebter Treffpunkt. „Hier waren wir am Mittwochabend noch um elf Uhr noch locker 30 bis 40 Spieler“, erzählt Felipe. Generationsübergreifend spielen die Menschen in Bad Hersfeld, sagt er. Erst am Vortag habe er sich mit einem 62-Jährigen unterhalten, der wie er vor der Stadtkirche spielte. Der 29-Jährige hat innerhalb von zwei Tagen bereits 30 Kilometer zurückgelegt. Denn auch darum geht es: Bewegung. Jeder zurückgelegte Meter wird gespeichert, ab gewissen Strecken entwickeln sich die kleinen Figuren weiter. „Manche überlegen schon, wie man das austricksen könnte. Das Handy an den Fahrradspeichen oder auf einem Plattenspieler zu befestigen zum Beispiel“, sagt Oliver. Er begleitet seine Freundin bei dem Spiel auf seinem eigenen Handy reicht der Internetempfang nicht aus. „Eine Menge Akku verbraucht es auch“, sagt er. Deswegen würden viele Spieler einen Powerpack – eine Art Zusatzspeicher – mit sich herumtragen.

Persönlicher Kontakt

Auch wenn bei Pokémon Go jeder für sich kämpft, kommen die Fans leicht in persönlichen Kontakt. Sie tauschen sich aus, wo es welches Pokémon zu fangen gibt und wer welche Arena erobert hat. Im sozialen Netzwerk Facebook haben sich in der Gruppe „Pokémon Go Bad Hersfeld“ innerhalb von fünf Tagen bereits 180 Menschen vernetzt. Bald soll es die Möglichkeit geben, untereinander Gegenstände aus dem Spiel zu tauschen. Die Entwickler sollten sich beeilen, denn wie jeder Hype, wird auch die Zeit der bunten Pokémons begrenzt sein.

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