Bürgermeister fühlt sich von seinen Parteifreunden im Stich gelassen

Ries verlässt die WGH

Heringen. Bürgermeister Hans Ries ist nicht mehr Mitglied der Wählergruppe Gemeinschaftsliste Heringen (WGH). Seinen Austritt erklärte er am vergangenen Samstag schriftlich. „Er hat das Gefühl, die WGH steht nicht mehr hinter ihm“, sagt die 1. Vorsitzende Ute Marhold.

Die Ursache für die Spontan-Entscheidung des Bürgermeisters ist in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen Donnerstag zu sehen. Da war Ries mit seinem Antrag gescheitert, ein Rechtsgutachten in Sachen Hallenbad einholen zu lassen. Der Magistrat wollte von einem Gutachter prüfen lassen, ob er aufgrund von Versäumnissen oder Rechtsfehlern den Verlust des jährlichen Betriebskostenzuschusses in Höhe von 130 000 Euro zu verantworten habe. Außerdem sollte untersucht werden, ob der Landrat bei der finanziellen Unterstützung der Hallenbäder in Rotenburg und Heringen mit zweierlei Maß messe. Diesen Antrag hatte Ries selbst wieder zurückgezogen, nachdem er erkannt hatte, im Parlament dafür keine Mehrheit zu bekommen.

Gutachten zu teuer

Unter anderem hatte der Fraktionssprecher der WGH, Peter Stötter, erklärt, dass ein teures Gutachten nicht nötig sei, da sich ja die Staatsanwaltschaft ohnehin mit der Thematik befassen müsse. Der SPD-Stadtverordnete Hans-Jürgen Fischer hatte den Bürgermeister Anfang Oktober wegen Untreue bei der Staatsanwaltschaft Fulda angezeigt. Danach habe Ries durch sein Verhalten den Betriebskostenzuschuss für das Hallenbad wissentlich aufs Spiel gesetzt.

Das sieht Ute Marhold ganz anders. „Ich gehe davon aus, dass der Staatsanwalt nicht gegen Hans Ries ermitteln wird. Aus unserer Sicht hat er sich korrekt verhalten. Auch wir von der WGH wollen nach wie vor sowohl den Investitionskosten- als auch den Betriebskostenzuschuss – also den gleichen Vertrag wie Rotenburg“.

Warum Ries jetzt aus Verärgerung über den Sitzungsverlauf der WGH die Freundschaft kündigte, will sich auch WGH-Fraktionssprecher Peter Stötter nicht so recht erschließen: „Er kann sich doch gegen die verleumderischen Angriffe Fischers zur Wehr setzen und ebenfalls Anzeige erstatten“.

Stötter jedenfalls trägt den Schritt des Bürgermeisters nach eigenen Worten mit Fassung. „Ich habe ihm wohl mit meinen Äußerungen zum Rechtsgutachten und auch zum Campingplatz zwei persönliche Niederlagen beschert“. Und er führt weiter aus: „Wenn ich Leute nicht überreden kann, dann muss ich sie überzeugen“. Das ist dem Bürgermeister während der jüngsten Sitzung zu beiden Tagesordnungspunkten nicht gelungen. In Sachen Campingplatz hoffte Ries auf einen schnellen Verkauf, den aber legten die Stadtverordneten wegen der Gefahr möglicher Altlasten im Boden erst einmal auf Eis.

Von Mario Reymond

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