Bürgermeister will Komplettlösung für Laugenproblem – Stadtverordnete bremsen

Ries droht mit Kandidatur

Heringen. Die Heringer Stadtverordneten haben in ihrer Sitzung am Donnerstagabend einem Dringlichkeitsantrag von Bürgermeister Hans Ries die Aufnahme auf die Tagesordnung verweigert.

Ries wollte erreichen, dass ein Sperrvermerk im Haushalt aufgehoben wird, um mit der Sanierung des kontaminierten Untergrunds im Bereich Heinerberg und Wölfershäuser Straße beginnen zu können.

Für den Fall der Ablehnung hatte der Bürgermeister im Vorfeld am Rednerpult damit gedroht, wieder zur Bürgermeisterwahl antreten zu wollen. „Tut es mir nicht an, dass ich noch einmal kandidieren muss. Es ist meine Art Dinge, die ich begonnen habe, auch zu Ende zu bringen. Ich hoffe, dass die Stadtverordneten noch zur Vernunft kommen.“

Über das Abwasser aus den Bereichen am Heinerberg und der Wölfershäuser Straße gelangt seit 2009, als die Hauskläranlagen abgeschafft und die Grundstücke an das städtische Kanalnetz angeschlossen wurden, immer wieder extrem viel Salzlauge in die städtische Kläranlage und schädigt die Technik und das Bauwerk selbst.

Immer wieder werden in der Kläranlage hohe Salzkonzentrationen gemessen. „Bei Starkregen fallen täglich bis zu 3000 Kubikmeter Abwasser an, die mit bis zu 40 Gramm Chlorid pro Liter belastet sind“, erklärt der Bürgermeister.

Das Problem mit der Salzlauge sei schon seit den 80er Jahren allen Aufsichtsbehörden bekannt, werde aber nicht mit dem notwendigen Nachdruck vorangebracht, glaubt Ries. Wo das Salzwassser nun genau herkomme, wisse er nicht. In dem Gebiet gebe es belastete Quellbereiche, Lauge führende Hausdrainagen und auch der Eintrag über den Salzberg Monte Kali sei nicht auszuschließen. „Um den Salzpegel abzusenken betreibt K+S dort seit langer Zeit riesige Absenkpumpen, sonst würden wir in der Lauge ersaufen“, mahnt Ries immer wieder.

Die Stadtverordneten knüpfen ihrerseits eine Forderung an die Auflösung des Sperrvermerks für die Wölfershäuser Straße. Erst wenn die exakte Kostenaufstellung für die Arbeiten vorliege, werde man grünes Licht geben. Eine Transparenz, die eigentlich nach einer Informationsveranstaltung im April durch Ingenieurbüros im Beisein der Kommunalaufsicht gegeben zu sein schien. Jedenfalls hatte es danach ausgesehen. Doch weit gefehlt. Das Gros der Stadtverordneten legt sich weiterhin quer.

Damit nicht genug: Für die Sanierung des Kanals am Heinerberg hatte das Stadtparlament bereits am 11. September vergangenen Jahres 1,13 Millionen Euro bewilligt, damit hätte der Bürgermeister die Ausschreibung unverzüglich auf den Weg bringen können. Aber auch das sei bisher nicht geschehen, weil Ries selbst nur das Komplettpaket umsetzen wolle, schimpfen seine Kritiker.

Umweltministerin informiert

Mittlerweile hat es ein Gespräch zwischen Bürgermeister Hans Ries sowie Angestellten der Stadt mit der hessischen Umweltministerin Priska Hinz gegeben, um Bewegung in die Angelegenheit zu bekommen. Erst am Sitzungstag hat Ries noch einmal einen Brief an die Umweltministerin geschickt. Darin zeigte er sich entsetzt über die Haltung der Kommunalaufsicht, die die Hinhalte-Taktik des Parlaments in Bezug auf die Wölfershäuser Straße unterstütze. kommentar

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