60 Reisende standen am Sonntagabend in der Kälte des Bebraer Bahnhofs

Richtiges Gleis, aber kein Zug

Bebra. Michael Eichhorn aus Oberbayern ist stinksauer: Den Sonntagabend verbrachte er mit etwa 60 weiteren Reisenden am Bahnhof Bebra. Während die Menschen in der Kälte am Gleis 8 auf den Cantus nach Fulda warteten, fuhr der Zug an Gleis 2 ab. Betroffen waren, so erzählte gestern der erboste Eichhorn, auch acht Kleinkinder.

Der Reihe nach: Die Reisenden warteten auf Gleis 8 auf den Cantus, der 20.59 nach Fulda fahren sollte. So war war es auch beim Anzeiger am Bahnsteig zu lesen. Um 21.10 Uhr verschwand die Anzeige, vom Cantus selbst war nichts zu hören und zu sehen.

Michael Eichhorn, der als Abnahmelokführer für ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen eine Messfahrt von Lahr im Schwarzwald nach Bebra vorgenommen hatte, wusste als einziger der ratlosen Reisenden, wie der Fahrdienstleiter zu erreichen ist und fragte nach. Die Antwort: Der Zug sei pünktlich ausnahmsweise von Gleis 2 abgefahren, erzählt Eichhorn. Auf seine Frage, wieso es keine Ansage zum Gleiswechsel gegeben habe, habe er die Antwort erhalten, der Ansager sei schon nach Hause gegangen.

Um 21.25 Uhr habe es jedoch eine Ansage an Gleis 8 gegeben, dass der nächste Zug nach Fulda um 21.58 auf Gleis 2 fahre. Eichhorn und andere Reisende stiegen ein, und für Eichhorn endete die Fahrt auch zunächst in Fulda. Sein Anschlusszug in die bayerische Heimat war da längst weg. Er musste sich ein Hotelzimmer nehmen und verlangt von Cantus Entschädigung.

Sabine Herms, Pressesprecherin beim NVV, versteht den Zorn der Reisenden und hat gestern die Fahrpreiserstattung angeboten. Betroffene sollten sich über das Beschwerdemanagement auf der NVV-Homepage melden.

Die Pressesprecherin vermutet, dass der Fahrdienstleiter von der Bahn (Abteilung DB-Netz) den Cantus-Lokführer aufs falsche Gleis gesetzt hatte. Der Lokführer könne nichts machen, weil er nicht vorab informiert werden. Und die Mitarbeiter von DB-Station und Service, verantwortlich für die Anzeige, hätten wohl von dieser falschen Zugführung nichts mitbekommen.

Was das schief gelaufen war, konnte ein Bahnsprecher gestern gegenüber unserer Zeitung nicht aufklären. Er kenne die vertraglichen Absprachen zwischen Cantus und Bahn nicht, die in diesem Fall greifen könnten.

„Cantus ist nicht der Verursacher“, erklärte Susanne Wenzel, Prokuristin des Verkehrsunternehmens in Kassel. Dass der Zug am Sonntag auf Gleis 2 statt auf Gleis 8 abfuhr, sei allein von DB-Netz so entschieden worden. Der Lokführer konnte nicht reagieren.

Von Silke Schäfer-Marg

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