Schornsteinfegermeister Helmut Krey über Talismane, Handwerk und mächtig Dusel

Richtig rußen fürs Glück

Alles für die Kehrgebühr: Bezirksschornsteinfegermeister Helmut Krey bei der Arbeit mit Kehrbesen und Schornsteinfegerkugel auf einem Dach am Lappenlied in Bad Hersfeld. Fotos: Strecker

Bad Hersfeld. Helmut Krey steigt den Leuten aufs Dach. Zumindest ab und zu. Und nur aus beruflichen Gründen. Dass er als Schornsteinfegermeister dem einzigen Berufsstand angehört, der mit den Rechnungen gleich auch Glück mitbringt, gefällt ihm. Und immer, wenn er in den vergangenen 45 Jahren in seiner Kaminkehrerkluft durch die Straßen stapfte, strahlte er, sobald ihm jemand die Wange oder eine Hand entgegenstreckte. „Natürlich habe ich dann mit meinen rußigen Händen gerne schwarze Streifen gemalt. Hätte die Leute auch ganz schwarz gemacht, wenn sie das gewollt hätten“, sagt Krey und lacht.

Heutzutage steigt der Bezirksschornsteinfegermeister aus Hauneck nur noch selten auf fremde Dächer. „Mittlerweile bin ich eher für die Überprüfung von Feuerstätten, Emissionsmessungen, Energiepässe und so etwas zuständig“, sagt er. Ausnahmen aber gibt es. Dann knotet sich Helmut Krey ein weißes Tuch um seinem Hals. Er zupft seine schwarze Kehrjacke zurecht, steckt einen goldenen Knopf nach dem anderen durch die passenden Löcher und platziert seinen schwarzen Zylinder mit einer Drehung auf seinem Kopf.

Ohne Talisman aufs Dach

Schneematsch quietscht unter seinen Stiefeln hervor, als sich Krey mit Kehrbesen über der Schulter zentimeterweise über das Dach eines Hauses am Lappenlied schiebt. „Nein, ich selbst habe keinen Glücksbringer in der Tasche, wenn ich arbeite“, sagt der Schornsteinfeger, der zusammen mit einem Gesellen und einem Lehrling für knapp 2500 Hersfelder Häuser zuständig ist. „Einen Talisman brauche ich selbst nicht. Ich bringe so vielen Menschen das Jahr über Glück, dass für mich bestimmt noch ein bisschen übrig bleibt“, sagt er und grinst. Für andere dagegen zieht er gerne einen Mini-Schornsteinfeger aus der Tasche. Oder Gummibärchen für die Kinder.

„Für mich bedeutet Glück, wenn es keine Sorgen gibt und ich zufrieden bin“, sagt der Familienvater. Das Glück sei mit ihm gewesen, als er noch als Lehrling auf einem Dach ausrutschte, über die Ziegeln schlitterte und gerade noch die Regenrinne zu fassen bekam. „Gott sei Dank war mein Lehrmeister in der Nähe. Der hat schnell eine Leiter untergestellt. Puh, da habe ich ganz schön geschwitzt“, erinnert sich Helmut Krey.

In dieser Zeit war der Haunecker permanent in der schwarzen Schornsteinfegertracht unterwegs. „In den Sechziger Jahren wurde eben mit Holz und Kohle geheizt. Da haben wir die ganze Zeit gefegt“, sagt er. Heute ist dies nur noch zu einem Drittel Bestandteil seiner Arbeit. Und sein Zylinder staube auf dem Dachboden ein. Der Trend gehe aber dahin, dass in die meisten Häuser wegen der hohen Ölpreise wieder eine Feuerheizstelle zusätzlich zur Heizung eingebaut werde.

Schornsteinfeger zu sein, hat Helmut Krey während seiner Laufbahn oft zum Schmunzeln gebracht. Dabei war es sein Vater gewesen, der diesen Beruf als Traumjob angesehen hatte. „Durch ihn bin ich darauf gekommen und habe es nie bereut. Ich sitze nicht ständig im Büro und stehe an keinem Fließband, sondern auf den Dächern und beschaue mir die Leute von oben“, sagt Krey. Und wem würde es auch nicht gefallen, sagt er, wenn man statt einen rußigen Händedruck abzugeben, selbst auch mal ein Küsschen bekomme. „So war es nämlich oft während der Festspielzeit. In den Siebziger Jahren hat mich die Schauspielerin Olivia Molina im Vorbeigehen geküsst. Das hat mir auch Glück gebracht.“

Von Judith Strecker

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