Organisatorischer Aufwand in der Justiz wird immer größer

Richter als Manager ihrer Prozesstermine

bad hersfeld. Richter haben immer mehr Arbeit mit der Organisation ihrer Prozesstermine. Diese Feststellung treffen der Bad Hersfelder Amtsgerichtsdirektor Hermann Eimer sowie seine Richterkollegen Dr. Rolf Schwarz und Elmar Schnelle. Hintergrund: Insbesondere in Strafverfahren wird es immer schwieriger, alle Beteiligten und die benötigten Zeugen unter einen Hut zu bekommen.

„Die Bürgerpflichten tretten oft in den Hintergrund“, sagt Elmar Schnelle, der ein „Umdenken bei den Werten“ beklagt. Denn Arbeit und Urlaub werden immer öfter als Hinderungsgründe angeführt, wenn ein Zeuge geladen werden soll. Auch ist bei bestimmten Berufsgruppen die Bereitschaft, vor Gericht zu erscheinen, wegen des zu erwartenden Verdienstausfalls nicht sehr groß. „Wir versuchen schon, den Zeugen entgegenzukommen, indem wir sie beispielsweise zeitlich gestaffelt laden,“ sagt Dr. Schwarz.

Als weiteres Problem führt Direktor Eimer die immer größere Mobilität unserer Gesellschaft an: Früher sei die Klientel des jeweiligen Amtsgerichts meist auch in dessen Nähe zuhause gewesen. Heute kommen die Beteiligten – insbesondere bei Verkehrssachen – oft von weit her angereist.

Delegieren können die Richter die Prozess-Organisation nur zum Teil. „Ob wir einen Zeugen benötigen oder nicht, das müssen wir selbst entscheiden und dann den Prozesstermin entsprechend zusammenstellen,“ sagt Jugendrichter Schwarz. Nur die Schreibarbeit kann dann den Service-Mitarbeitern im Amtsgericht übertragen werden.

Sind die Ladungen einmal verschickt, dann funktioniert es – zumindest am Hersfelder Gericht – in aller Regel auch. „Generell ist es schon so, dass die Zeugen so reagieren, wie man es von einem Staatsbürger erwarten darf.“ Das obligatorische Ordnungsgeld, das ein nicht erschienener Zeuge aufgebrummt bekommt, ist hier die Ausnahme. zum tage

Von Karl Schönholtz

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