Apothekerin Hildwein will am Stadtring ein Zentrum für moderne Medizin errichten

Rezept gegen Ärztemangel

Sie hat ein Rezept gegen den drohenden Ärztemangel im Kreis: Apothekerin Saskia Hildwein will das Hotel Wenzel am Bad Hersfelder Kurpark zum Ärzte- und Therapiezentrum umgestalten. Foto: Kai A.Struthoff

Bad Hersfeld. Die Diagnose ist eindeutig und gefährlich: Dem Kreis Hersfeld-Rotenburg droht schon in wenigen Jahren ein akuter Ärztemangel. Die ersten Symptome sind bereits spürbar: So wird es nach der Schließung der Praxen von Dr. Brüning und dem Ärzteehepaar Raith in den Wartezimmer der anderen Mediziner schon enger.

Viel schlimmer noch ist die Lage in vielen Landgemeinden. Doch die Bad Hersfelder Apothekerin Saskia Hildwein hat ein Rezept gegen den Ärztemangel. Sie plant, das Hotel Wenzel zum Ärzte- und Therapiezentrum umzugestalten.

„Wir haben in Deutschland so viele Ärzte wie noch nie“, sagt Hildwein. Allerdings wären viele Mediziner nicht mehr bereit über 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Außerdem sind 63 Prozent der Medizinstudenten weiblich. Die „Feminisierung“ des Ärztestandes und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verlangten nach neuen Konzepten.

Rückgrat sind Hausärzte

So kam Hildwein auf die Idee, das Hotel Wenzel, das sie vor drei Jahren gekauft hat, zum Ärzte- und Therapiezentrum umzubauen. „Wir wollen dort keine Poliklinik und kein medizinisches Versorgungszentrum einrichten“, betont Hildwein, „das Rückgrat sollen freiberufliche Haus- und Fachärzte bilden.“ Im „Haus Wenzel“ sollen sie ideale Bedingungen vorfinden: Sie könnten dort fachübergreifend zusammenarbeiten, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen organisieren, gemeinsam die Terminvergabe und die Abrechnung organisieren, zusammen teuere Geräte anschaffen und nutzen sowie Schulungen, Fortbildungen oder Seminare anbieten.

Den Auftrag zum Umbau hat der Bad Hersfelder Architekt Frank Dorbritz erhalten, der bereits Entwürfe für helle und natürlich behindertengerechte Räume erarbeitet hat. „Für mich ist das auch eine Reminiszenz an die Architektur meines Vaters aus dem Jahr 1975“, sagt Dorbritz, „obwohl vom alten Hotel Wenzel wenig übrig bleiben wird.“ Auf 1200 Quadratmetern soll Platz für sieben bis neun Praxen sein. Dazu wird die vorhandene Konstruktion durch die Überbauung des Parkplatzes und der Terrassen erweitert.

Bedeutender Standort

„Dieser Standort hat auch städtebaulich eine große Bedeutung“, erklärt der Architekt, denn das Haus Wenzel liege an dem „neuralgischen Punkt“ am Übergang vom Kurviertel zum Stiftsbezirk.

Der bisherige Betreiber des Hotels Wenzel, Hanns-Karl Madelung, steht den Plänen positiv gegenüber. Obwohl sein Mietvertrag noch zweieinhalb Jahre gelaufen wäre, will der 60-jährige gelernte Koch die Chance nutzen, etwas Neues anzufangen. „Die Stadt hat mir viele Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt Madelung mit Blick auf den Streit um die Kurtaxe. Er räumt ein, auch etwas frustriert zu sein.

Sowohl Bürgermeister Hartmut H. Boehmer als auch Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt sind bereits über die Pläne von Saskia Hildwein informiert und begrüßen sie. Denn alle sind sich des drängenden Problems des Ärztemangels sehr bewusst.

Interesse der Allgemeinheit

„Natürlich habe ich auch ein Eigeninteresse an dem Projekt“, räumt Hildwein ein. Sie betreibt seit sechs Jahren die neben dem Haus Wenzel gelegene Kurbad-Apotheke, seit 1990 ist sie Chefin der City-Apotheke und betreibt auch die Doc-Morris-Apotheke in der City Galerie und das City-Sanitätshaus. Insgesamt beschäftigt Hildwein 50 Mitarbeiter.

„Der Ärztemangel geht uns alle an“, sagt die Apothekerin. „Ich bin davon überzeugt, dass sich mein Projekt mit dem Interesse der Bevölkerung deckt, aber ob die Umsetzung gelingt, liegt nicht allein an mir.“

†  Am 23. Februar findet ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten im Hotel Wenzel statt.

Von Kai A. Struthoff

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