Rezensentenrezension

Götz Geißler

Am Info-Brett der Intendanz hängen sie, diverse Rezensionen zu den Aufführungen der Bad Hersfelder Festspiele. Aus Zeitungen von halbnah bis fern, aus Internetbeiträgen von den unterschiedlichsten Anbietern. Da wird so vieles formuliert und fabuliert. Doch wer rezensiert den Rezensenten? „Schlagt ihn tot, den Hund, er ist ein Rezensent“ schrieb damals der Geheimrat aus Weimar und Freund des Tell-Autoren in einem Gedicht. Nun, ich will hier beileibe keinen totschlagen, ich will die Damen und Herren Rezensenten nur einmal typisieren. Es gibt nämlich drei davon.

Da ist der ausgewiesene Kulturkritiker. Er hat hunderte von Aufführungen gesehen, kann vergleichen, ist im Kritikerfach ausgebildet und kenntnisreich. Er liebt das Theater und knurrt nur, wenn’s mal daneben geht. Zudem kann er nachvollziehbar und amüsant schreiben. Er hat halt Ahnung.

Dann ist da der Schreiber. Der tut so, als hätte er Ahnung von der Materie und schreibt so vor sich hin. Kann man ja machen, man muss es nur etikettieren: Achtung, unverbindliche persönliche Laienmeinung. Wenn jemand von einem Fachunkundigen ärztlich behandelt wird, ist das dann ein Kurpfuscher und man nennt dies Quacksalberei. Das ist ein Straftatbestand. Wenn jemand medienamtlich rezensiert und suggeriert, ein Fachmensch zu sein, dann ist das Quarkschreiberei und derzeit nicht strafbar.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die Rezension durch Nichtrezension. Dies ist eine Spezialität einer großen Zeitung aus Frankfurt, die im Allgemeinen deutschlandweit bekannt ist, und die man im gesamten deutschsprachigen Raum druckfrisch erhält. Die schreibt in ihrer überregionalen Ausgabe nie über die Bad Hersfelder Festspiele. Spielen die hiesigen Schauspieler in festen Häusern, wird von ihr darüber geschrieben. Führen unsere Regisseure in festen Häusern Regie, genauso. Am Theater liegt es also nicht. Es muss also am Wetter liegen. Vielleicht hat der Rezensent eine Frischluftallergie. Das wäre schade. Oder aber, er hält die romanische Kirchenruine nicht für geeignet, dort Aufführungen aus der europäischen Theatertradition aufzuführen. Er sieht sie besser in möglichen Betonquadern fester Metropolenhäusern aufgehoben. Das ist dann auch schade, schade für ihn.

Ob eins, zwei oder drei, man muss sich dazwischen nicht entscheiden. Für den selbstbewussten Theaterbesucher gilt: Erst selber das Stück sehen! Danach kann man seinen eigenen Senf dazugeben und rutscht nicht auf irgendeinem Quark aus.

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