Stadtarchivar van Horrick referierte über den badischen Offizier Lingg von Linggenfeld

Die Rettung der Stadt

Großer Auflauf vor nunmehr 116 Jahren: Die dankbaren Bürger der Stadt Hersfeld setzen ihrem Retter Johannes Baptist Lingg von Linggenfeld (1765-1842) ein Denkmal. Bis heute steht es am Eingang zum Stiftsbezirk neben dem Hersfelder Doppelkreuz (ganz links).

BAD HERSFELD. Es war die jedem „Mückenstürmer“ bekannte Geschichte vom „deutschen Patrioten“ Lingg von Linggenfeld, die am Dienstag im Rahmen einer Reihe von Vorträgen anlässlich des 1275-jährigen Bestehens der Lullusstadt einmal mehr eine große Zuhörerschar in die Stadthalle lockte.

Geschichtsverein

Auf Einladung des Geschichtsvereins und des Kulturvereins beleuchtete Stadtarchivar Johannes van Horrick Leben und Wirken des 1765 in Meersburg am Bodensee geborenen Offiziers, der für das Hochstift Konstanz und das Großherzogtum Baden stritt und mit einem nach ihm benannten Jägerbataillon 1806 dann auch für den mit Baden verbündeten Napoleon gegen den hessischen Landgrafen kämpfte. Von Kassel aus wurde er nach Eschwege und in das von Italienern besetzte Hersfeld beordert, wo es am 24. Dezember 1806 zu Unruhen gekommen war. Aus dem Haus heraus, in dem sich heute die Bäckerei Jäger befindet, war ein Soldat erschossen worden.

Dem Hersfelder Magistrat war schnell klar, dass das Tun gesühnt werden musste. Mit der Lieferung einer großen Menge von Schuhen war es allerdings nicht getan, denn Napoleon verlangte der Überlieferung nach, dass Hersfeld „an allen vier Ecken“ angezündet werden sollte. Ob es einen schriftlichen Befehl gab, ist bis heute unklar. Es wurde jedenfalls keiner gefunden, und Lingg legte die Anordnung –sehr wahrscheinlich mit nicht nach außen getragener Billigung der französischen Kommandeure Barbot und Lagrange – so aus, dass lediglich vier, möglicherweise aber auch fünf, Häuser angezündet wurden.

Am 20. Februar 1807 ließ er seine Jäger antreten und erteilte ihnen die Erlaubnis zur Plünderung der Stadt: „Aber keiner trat hervor“. Damit war Hersfeld gerettet, denn auch die schon abgerückten italienischen Soldaten kamen einem entsprechenden Befehl nicht nach.

Russlandfeldzug

Johann Baptist Lingg nahm später mit seinem etwa 1000 Mann starken Bataillon noch am Russlandfeldzug Napoleons teil. Auch er erlebte das große Desaster: 1813 kehrte er mit 4 Offizieren sowie 49 Unteroffizieren und Soldaten zurück. In ihrem Elend wandten sich einige der Soldaten an den Magistrat der Stadt und baten um Unterstützung. Zumindest zwei von ihnen wurde auf diesem Wege für die Verschonung Hersfelds gedankt.  Im Land bekannt...

Von Wilfried Apel

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