Respekt ist der zentrale Begriff

Ausstellung in der Frauenberatungsstelle erzählt Geschichten von Gewalt, Mut und Hoffnung

Engagiert für Frauen: Die Ausstellungseröffnung zum 30-jährigen Bestehen des autonomen Frauenhauses in Bad Hersfeld nahm der Verein „Frauen helfen Frauen“ zum Anlass, die Mitarbeiterinnen und die aktiven Vorstandsfrauen vorzustellen. Einen Blumenstrauß gab es für Sabine Schütt-Dörrbeck (Dritte von rechts) die von Anfang an im Frauenhaus arbeitet. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Frauen und ihre Geschichten stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der das Autonome Frauenhaus in Bad Hersfeld betreibt.

Sie sind auch das Thema der Ausstellung „Die Hälfte des Himmels – 55 Frauen & Du“, die aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Frauenhauses bis zum 21. Februar in der Frauenberatungsstelle in der Dudenstraße 27 gezeigt wird. Hier wie dort sind Gewalterfahrungen das Thema.

Jede vierte Frau sei mindestens einmal im Leben von Gewalt betroffen, 40 Prozent der Frauen seien von häuslicher Gewalt bedroht, verwies die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz auf die Statistik. Die Arbeit im Frauenhaus sei nicht ungefährlich und oft schwierig, würdigte Künholz. Um sie zumindest ein wenig zu erleichtern, bemühe sich die Kreisverwaltung um Unterstützung, indem spezialisierte Mitarbeiterinnen dem Frauenhaus zugeordnet seien, sodass nicht bei jedem Kontakt alles neu erklärt werden müsse.

Auch Dr. Rolf Göbel, erster Stadtrat in Bad Hersfeld, betonte die Bedeutung des Frauenhauses und versicherte, sich auch weiterhin für dessen Unterstützung einzusetzen. Das legte ihm auch Ursula Voss vom Vorstand des Vereins ans Herz: „Wir hofen auf eine feste Position im Haushalt, damit wir nicht jedes Jahr zittern müssen.“

Lob für das große Engagement des Vereins und der Mitarbeiterinnen gab es auch von Brigitte Weitz, der Vorsitzenden der Landfrauen im Bezirk.

Die Idee zu der Ausstelung „Die Hälfte des Himmels – 55 Frauen und Du“ sei entstanden, weil sie nicht zum xten Mal eine Statistik, eine Litanei des Grauens, für den Frauennotruf Heidelberg auswerten und in Worte fassen wollte, erzählte Annette Schiffmann, die Kuratorin der Ausstellung. Stattdessen sei es ihr Anliegen gewesen, der Statistik ein Gesicht zu geben. Viele ausdrucksstarke Porträts zeigt sie im Bild. Kurze Texte unter jedem Foto geben eine erste Information. Wer jedoch die Frauen kennenlernen möchte, sollte sich Zeit nehmen und ihre packenden, traurigen, erschreckenden und hoffnungsvollen Geschichten per Audioguide anhören.

Sie alle beantworten fünf Fragen zu ihrem Leben: Worauf sie stolz sind, was sie schön oder auch als Nachteil daran empfinden, eine Frau zu sein, welche Gewalterfahrungen sie gemacht haben und was sie sich von einer guten Fee wünschen würden, damit alle in Würde leben können. „Ich wollte etwas Schönes machen“, betont Schiffmann, etwas Ermutigendes. Die Ausstellung zeige, dass es noch etwas anderes gebe außer der Verletzung und wieviel Energie Frauen mobilisieren könnten, um mit ihrem Leben zurechtzukommen. Besonders wichtig sei den Frauen der Begriff Respekt gewesen, betonte Annette Schiffmann, Respekt vor sich selbst, um sich schneller gegen Gewalt zu wehren, und Respekt vor anderen. „Wenn ich jemanden achte, ist die Schwelle zur Misshandlung viel höher“, betonte Schiffmann.

Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag von 15 bis 18 Uhr, Dienstag von 11 bis 18 Uhr, Donnerstag von 15 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr. Audioguides stehen zur Verfügung.

Von Christine Zacharias

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