Bad Hersfelder Festspiele: Nathan der Weise hat am Samstag, 15. Juni, Premiere

Respekt und Toleranz

Geht es um Geld oder Wahrheit oder beides? Sultan Saladin (Dirk Glodde, links) hat Nathan (Stephan Schad) zu sich gebeten, um von ihm zu erfahren, welche der drei Religionen Christentum, Islam oder Judentum er für die wahre hält. Fotos:  Iko Freese/drama-berlin.de

Bad Hersfeld. Kaum ein Tag vergeht, an dem uns nicht Bilder von Anschlägen aus einem der vielen Krisengebiete dieser Welt erreichen. Und oft genug steckt hinter der aufgestauten Wut, die sich gewaltsam und blutig entlädt, ein religiöser Konflikt.

Einer der Haupt-Krisenherde ist seit tausenden von Jahren der Nahe Osten. In Jerusalem prallen drei Weltreligionen aufeinander. Hier spielt auch Lessings „Nathan der Weise“, mit dem am morgigen Samstag um 21 Uhr die 63. Bad Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine eröffnet werden.

Dem Weltfrieden näher

„Nathan der Weise“ ist eines der wichtigsten und aktuellsten Stücke der deutschen Literatur. Davon ist Festspielintendant Holk Freytag, der auch die Regie führt, überzeugt. Obwohl es während der Zeit der Kreuzzüge im Mittelalter spielt und im Jahr 1779 veröffentlicht wurde, ist die Botschaft von der Toleranz der Religionen untereinander zeitlos. „Wenn alle Staatenlenker der Welt dieses Stück lesen würden, wären wir dem Weltfrieden ein großes Stück näher“, sagt Freytag. „Anerkennung und Respekt voreinander ist die einzige Überlebenschance, die wir haben.“

Genau diesen Respekt will Lessings Stück vermitteln. Lessing lässt seine Figuren und damit die Zuschauer erkennen, dass der Absolutheitsanspruch der einzelnen Religionen, der seit Jahrtausenden zu Krieg und Gewalt führt, zu verurteilen ist.

Die Handlung: Als der reiche jüdische Kaufmann Nathan von einer Geschäftsreise zurückkehrt, erfährt er, dass seine Ziehtochter Recha beinahe in einem Feuer umgekommen wäre, hätte sie nicht ein christlicher Kreuzritter, der Tempelherr gerettet.

Der ist jedoch nicht sehr stolz auf seine Tat, schließlich glaubt er, nur ein Judenmädchen aus dem Feuer geholt zu haben. Deshalb lehnt er jeden Dank Rechas, die sich in ihn verliebt hat, und Nathans ab. Was der Tempelherr nicht weiß, ist, dass Recha nicht Nathans leibliche Tochter ist, sondern das Kind christlicher Eltern. Ebenfalls ahnungslos ist der Tempelherr, warum ausgerechnet er von Sultan Saladin begnadigt wurde, der alle anderen Kreuzritter zum Tode verurteilte. Er erinnert Saladin nämlich an seinen verschollenen Bruder.

Wegen seiner Begnadigung fühlt der Tempelherr sich dem Sultan verpflichtet und weigert sich, gegen ihn zu spionieren oder gar ihn umzubringen, wie es ihm vom christlichen Kirchenoberhaupt Jerusalems, dem Patriarchen, angedient wird.

Nathan wird schließlich zum Sultan gebeten, nicht nur, um ihm aus einem finanziellen Engpass zu helfen, sondern um mit ihm die Frage zu diskutieren, welche der drei Religionen die wahre sei. Dazu erzählt er dem Sultan die sogenannte Ringparabel, ein Drama im Drama, das auf die Gleichwertigkeit aller Religionen abzielt.

Diesem Gedanken verpflichtet ist auch der Schluss des Stückes, bei dem sich herausstellt, dass alle Protagonisten miteinander verwandt sind.

Von Christine Zacharias

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