HZ-Interview mit Bad Hersfelds amtierendem Bürgermeister Lothar Seitz

Mit Respekt, ohne Angst

Mit Freude an der Arbeit: Bad Hersfelds amtierender Bürgermeister Lothar Seitz. Foto: ks

Bad Hersfeld. Bisher war sein Einsatz im Bad Hersfelder Rathaus nur in Urlaubszeiten gefragt. Doch seit dem Abschied von Hartmut H. Boehmer ist Erster Stadtrat Lothar Seitz amtierender Bürgermeister der Festspielstadt – und das für mindestens drei Monate bis zum Amtsantritt eines Nachfolgers. Weil sich die Stadtgeschäfte nicht nebenher erledigen lassen, hat sich der Professor für diese Zeit von seinen Aufgaben an der Verwaltungsfachhochschule in Rotenburg freistellen lassen. HZ-Redakteur Karl Schönholtz sprach mit Seitz über Gefühle, große Auftritte und den Verzicht auf die eigene Kandidatur.

Herr Seitz, wie fühlt es sich an, der Bad Hersfelder Bürgermeister zu sein?

Lothar Seitz: Ach, das ist zunächst ‘mal eine ehrenwerte Aufgabe, aber auch eine Aufgabe, bei der man sehr viel beachten und auf viele Interessen Rücksicht nehmen muss.

Spielen auch Emotionen eine Rolle? Bad Hersfeld ist schließlich Ihre Heimatstadt.

Seitz: Ja, denn ich mache das ehrenamtlich, gerade weil Bad Hersfeld meine Heimatstadt ist. Deswegen glaube ich auch, dass sich noch mehr Leute ehrenamtlich engagieren sollten, im Verein oder auch in der Kommunalpolitik.

Bisher hat bei den kurzen Bürgermeister-Vertretungen Routine gereicht. Wie wird es diesmal sein?

Seitz: Routine reicht sicher nicht. Es gibt viele neue Bereiche, in die ich mich einarbeiten muss. Die kenne ich zwar von der Sache her, aber nicht aus der Sicht des Behördenleiters oder des Bürgermeisters, der dann letzten Ende auch die Verantwortung trägt.

Da hilft es Ihnen sicher, dass Sie in den städtischen Gremien und Gesellschaften mitarbeiten und die wichtigsten Themen bereits kennen.

Seitz: Ja, es ist natürlich von Vorteil, dass ich durch den Magistrat Bescheid weiß über das, was sich hier im Rathaus abspielt. Auch über die Aufsichtsräte der städtischen Gesellschaften war ich immer auf dem Laufenden.

Zwei große Auftritte stehen Ihnen auf jeden Fall bevor: Sie werden den Haushalt 2011 in der Stadtverordnetenversammlung einbringen und Sie werden die Lollsrede halten müssen. Sind Sie darauf schon vorbereitet?

Seitz: Ja, das sind die zwei ganz großen Auftritte. Ich bin auch schon vorbereitet, bin aber noch daran mich einzuarbeiten. Was den Haushalt betrifft, muss ich das eine oder andere noch klären, beziehungsweise muss ich mich schlau machen. Auch für die Lollsrede habe ich schon ein Gerüst, aber sie ist noch nicht fertig.

Öffentliches Reden ist Ihnen nicht fremd. Aber haben Sie vor diesen beiden Auftritten besonderen Respekt?

Seitz: Respekt habe ich vor jedem Auftritt. Das sollte man auch haben. Keine Angst, aber Respekt.

Haben Sie sich für Ihre Amtszeit Ziele gesetzt?

Seitz: Ich will eine gewisse Kontinuität waren, weil ich an den meisten Entscheidungen ja auch schon bisher mitgewirkt habe. Ich werde also nicht alles auf den Kopf stellen in der kurzen Zeit. Mein Hauptziel ist der Haushalt 2011, dass ich da ein vernünftiges Werk vorlege.

Ihr Rathaus-Job umfasst ja nicht nur den politischen Teil, sondern Sie müssen ja auch noch die Verwaltung führen. Ist das vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe?

Seitz: Da muss ich zunächst einmal sagen, dass hier eine gut funktionierende Verwaltung besteht. Ich kann auf Kräfte zurückgreifen, die gut mitarbeiten und ihre Arbeit gerne ausüben. Es ist sicher etwas anderes, wenn man von außen Politik macht, als wenn man mit den Menschen hier zu tun hat. Aber das ist auch in meinem eigentlichen Beruf so, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten und mich auf sie verlassen muss und kann. Und das klappt hier auch gut.

Hat es schon den Moment gegeben, in dem Sie bereut haben, nicht selbst bei der Bürgermeisterwahl kandidiert zu haben?

Seitz: Ich habe mir das überlegt, aber ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man das mit 58 Jahren nur eine Legislaturperiode machen kann. Ich denke, man sollte versuchen, das mindestens zweimal zu erreichen. Und ganz ehrlich, in meinem Alter möchte man sein Leben nicht mehr total umstellen.

Und das hätte man zweifelsohne tun müssen...

Seitz: ...das hätte man zweifelsohne tun müssen, weil es bei der Tätigkeit eines Bürgermeisters eigentlich keine Freizeit gibt. Man ist immer Bürgermeister.

Aber für einen überschaubaren Zeitraum wie jetzt tun Sie es gerne, oder?

Seitz: Ja. Für so eine kurze Zeit macht es Spaß und Freude.

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