Bad Hersfelder Festspiele: Heute Abend Eröffnungspremiere „König Lear“

Respekt für den König

Erbitterte Feinde: Kent (Manfred Stella, links) und Oswald, Gonerils Haushofmeister (Parbet Chugh).

Bad Hersfeld. Einen Fehler begeht der alte König – und zerstört damit nicht nur sein Leben, sondern auch seine Familie und beinahe sein Land. Sicher, er ist überheblich, selbstgerecht und machtbewusst, kein wirklich angenehmer Mensch, aber hat er diese Strafe, die völlige Vernichtung verdient?

Diese Frage stellt sich heute Abend, wenn um 21 Uhr die Bad Hersfelder Festspiele mit Holk Freytags Inszenierung von William Shakespeares Tragödie „König Lear“ beginnen. Die Titelrolle spielt Volker Lechtenbrink, der das Stück während seiner Intendantenzeit in Bad Hersfeld (1995 bis 1997) selbst inszeniert hat und bereits im Jahr 1967 als Lears Narr auf der Bühne der Stiftsruine gefeiert wurde.

Grundlage für die Inszenierung ist die Textfassung, die Lechtenbrink vor 15 Jahren für die Festspiele geschrieben hat, allerdings in einer gekürzten Fassung. Sein Lear, so hat er angekündigt, wird kein Greis sein, sondern ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Macht, der keine Lust mehr aufs Herrschen hat und sein Reich an seine Töchter und deren Ehemänner übergibt. Damit löst er jedoch, statt späteren Erbstreit zu vermeiden, erst recht Zwietracht und Krieg aus.

In seiner Selbstgefälligkeit glaubt Lear seinen beiden älteren Töchtern Goneril und Regan, die ihm versichern, ihn am allermeisten auf der Welt zu lieben und verstößt Cordelia, seine Jüngste, die ehrlich antwortet und sagt, dass in ihrem Herzen aber auch noch Platz für die Liebe zu ihrem Mann sein wird.

Bald muss der König, der nun mit seinem 100 Mann starken Gefolge im Wechsel bei seinen Töchtern leben wollte, erkennen, dass er sich getäuscht hat. Beide verweigern ihm schon nach kurzer Zeit Fürsorge und Respekt.

Diese Erfahrung muss auch der Graf von Gloucester machen. Er sitzt einer Intrige auf, die sein unehelicher Sohn Edmund gegen den ehelich geborenen Edgar spinnt und verstößt Edgar. Auch er merkt bald, welch böses Spiel Edmund spielt, der auch nicht davor zurückschreckt, den Vater zu verraten und so aus dem Weg zu räumen.

Der geblendete Gloucester irrt nun, ebenso wie Lear, der von seinem treuen Berater Kent und seinem Narren begleitet wird, durch die Wildnis, schließlich geführt von seinem Sohn Edgar, der in die Rolle des irren Tom of Bedlam schlüpft.

Cordelia, die inzwischen den König von Frankreich geheiratet und vom Schicksal ihres Vater erfahren hat, kehrt mit einer Armee zurück, um ihn zu retten. Vergeblich.

Kurz nach ihrer Versöhnung wird sie von Edmunds Gefolgsleuten ermordet. Lear stirbt vor Gram. Auch Goneril und Regan, ihre Ehemänner und Edmund müssen sterben. Zurück bleibt Edgar, dem die Aufgabe zufällt, „das versehrte Land zu heilen“.

Von Christine Zacharias

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