Der Computergrafiker Steffen Wiesener hat das Bad Hersfelder Wahrzeichen rekonstruiert

Renovierung der Ruine

So könnte die Hersfelder Stiftskirche zu ihrer Blütezeit vor 500 Jahren ausgesehen haben. Der Frankfurter Computer-Grafiker Steffen Wiesener hat die Ruine der Gegenwart in monatelanger Arbeit gründlich renoviert. Visualisierung: Steffen Wiesener

Bad Hersfeld. Sein Aha-Erlebnis hatte der Frankfurter Steffen Wiesener, als er vor drei Jahren beim Besuch seiner Freundin in Friedewald einen Abstecher nach Bad Hersfeld machte. Der Anblick der mächtigen Stiftsruine ließ den Computergrafiker nämlich nicht mehr los und brachte ihn auf die Idee, das historische Gemäuer von Grund auf zu renovieren – virtuell, versteht sich.

„Das wird nie fertig“

Wiesener, der sich selbst auch als „3D-Artist“ bezeichnet, vertiefte sich in die Geschichte, studierte die bereits existierende DVD-Rekonstruktion von 2004 („Für damals recht gut“) und versuchte aus den unterschiedlichsten Angaben, schlüssige Maße und Dimensionen auszutüfteln.

Anfang 2012 machte sich Wiesener an die Arbeit und staunt heute selbst darüber, worauf er sich eingelassen hat. „Das wird nie fertig“, sagt er über sein Stiftsruinen-Projekt, in das er mittlerweile schätzungsweise drei Monate Arbeit investiert hat. „Ich mache das aus Spaß an der Freude, das ist nichts Kommerzielles“, betont er.

Also hat er Schäden im Gemäuer repariert, das längst nicht mehr vorhandene Dach wieder hergestellt, Fenster verglast und Wände bemalt.

Auch die innere Ausgestaltung „seiner“ Stiftskirche ist schon weit fortgeschritten. Aus vergleichbaren Vorbildern hat er sich passende Motive und Farbgebungen zusammengestellt, sodass der Besuch von Wieseners virtueller Stiftsruine nicht vor dem Portal endet. Auch im Innern kann man das Kameraauge schweifen lassen und über die schiere Größe des Raumes ins Staunen geraten. Den realen Eindruck verstärkt der eine oder andere Mönch, den Wiesener in und vor der Kirche platziert hat.

Immer gewaltiger sind auch die Datenmengen geworden, die der Frankfurter für Einzelbilder und eine Animation verarbeitet hat, denn selbst Tageszeiten mit Sonnenständen und das Wetter kann Wiesener nachempfinden. „Mittlerweile fühle ich mich in der Kirche fast schon zuhause“, sagt er.

Bilder auf Facebook

Auf Wieseners Facebook-Seite sind zahlreiche weitere Bilder zu sehen (https://www.facebook.com/pages/Virtuelle-Rekonstruktion-der-Stiftsruine/145348329009086). Außerdem ist er für historisch fundierte Anregungen und Hinweise auf eventuelle Fehler dankbar, um die renovierte Ruine weiter zu verbessern. Seine E-Mail-Adresse: bikovision@t-online.de.

Von Karl Schönholtz

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