Windkraft: Pionier Wolfgang Ruch sprach vor Landwirten über Chancen und Risiken

Rendite – keine Ölquelle

Wolfgang Ruch Foto: ank

Hersfeld-Rotenburg. Bei den erneuerbaren Energien bläst nach Fukushima und dem Atomausstieg nun der Wind ganz stark: Wo die Gemeinden bis vor wenigen Monaten noch den Bau neuer Windkraftanlagen auf ihren Territorien zu verhindern suchten, werden jetzt die besten Standorte gesucht. Zurzeit springe „jede Woche ein neuer Windkraftplaner aus der Hecke“, formulierte kürzlich Wolfgang Ruch bei einer Veranstaltung des Kreisbauernverbands im Friedloser Bürgerhaus, zu der Friedhelm Diegel eingeladen hatte.

Ruch, Landwirt aus Schenklengsfeld und Pionier in Sachen Windkraft, dämpfte die Erwartungen: Windkraft sei keine Ölquelle, bringe aber Rendite – wenn eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt sind. Ganz wichtig sind: Die Beteiligung der Bürger, eine Wertschöpfung, die in der Region bleibt und damit eng zusammenhängend die Akzeptanz der Bevölkerung.

Der Windkraft-Kenner setzt sich für die Form des Bürgerwindparks ein und empfiehlt einen soliden Eigenkapitalanteil. Ganz wichtig sei es, die Bevölkerung mitzunehmen. Sie, die Landeigentümer, die Betreiber und die Gemeindevertretungen müssten unter einen Hut.

„Solche Projekte sind wie kleine Rapspflänzchen: sehr empfindlich.“

Wolfgang Ruch

Im Regierungspräsidium (RP) wird entschieden, wo die Anlagen stehen dürfen. Dabei berücksichtige der RP die Pläne der Gemeinden, wo sie sinnvoll seien, erklärte Ruch. Die Gemeinden profitieren über Gewerbesteuereinnahmen von den Windkraftanlagen.

Vor dem Bau neuer Anlagen stehen ein umfangreiches Genehmigungsverfahren und eine stattliche Zahl von Gutachten. Hier nur einige Beispiele. • Erforderlich ist ein Abstand von 1000 Metern zu Wohnhäusern. • 100 bis 150 Meter Abstand zu Straßen, Schienen und Hochspannungsleitungen. • Auch der Artenschutz ist Ausschlusskriterium. • Vorgeschrieben ist ein Gutachten, welche Vögel im geplanten Gebiet vorkommen – laut Ruch ein großer Stolperstein für eine Genehmigung. Brut-, Rast- und Zugvögel müssen erfasst werden. Wenn der Storch oder der Rotmilan heimisch sind, haben Windmühlen keine Chance. • Schallgutachten – größere Anlagen drehen laut Ruch langsamer und sind leiser. • Schattengutachten – der Schattenwurf der neuen 140 Meter hohen Anlagen reicht bis zu einem Kilometer. Schließlich stellt sich die entscheidende Frage nach dem richtigen Standort: „Weht denn auch Wind?“ Die seit Anfang Dezember vorliegende Windressourcenkarte sei nur eine grobe Schätzung, meinte Wolfgang Ruch. Banken verlangten oft mehr als ein Windgutachten als Sicherheit. Ruch betonte, eine verdoppelte Windgeschwindigkeit bringe einen achtfachen Ertrag. Wenn beispielsweise in 30 Metern Höhe eine Windgeschwindigkeit von 4,5 Metern pro Sekunde herrsche, steige diese auf über 10 in 140 Metern Höhe.

Es gibt keine einfach zu beplanenden Standorte“, fasste der Windkraft-Kenner zusammen. Nur zwei von fünf Projekten würden am Ende umgesetzt, und zuvor müsse schon viel Geld in die Hand genommen werden.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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