Reise ins Ungewisse

Bebra. Wenn Abdirahmann Abukar Ahmed von seinem Job auf dem Bau erzählt, lässt sein Lächeln die strahlend weißen Zähne blitzen. Über die Chance, die sich ihm nun bietet, ist der 26-Jährige froh, und er ist stolz.

Vor rund sechs Jahren verließ Ahmed sein Heimatland Somalia, wo er gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern in der Hauptstadt Mogadischu lebte. In dem von Krieg und Krisen gebeutelten Land drohte ihm die Zwangsverpflichtung als Soldat in der Armee. „Viele Probleme“, sagt der junge Moslem nur, der noch dabei ist, Deutsch zu lernen. Geld für die Reise ins Ungewisse bekam er von seinen Eltern und Bekannten.

Zunächst nach Libyen

Auf dem Landweg und über den Sudan, erreichte Ahmed zunächst Libyen, wo er auf dem Bau geholfen habe. In Libyen lernte der junge Mann auch seine jetzige, ein Jahr jüngere Frau kennen, die ebenfalls aus Somalia stammt. Als in dem am Mittelmeer gelegenen nordafrikanischen Land 2011 der Krieg begann, stand das Paar erneut vor der Flucht. Zu diesem Zeitpunkt war bereits das erste Kind geboren, Töchterchen Nawal.

Wie so viele Flüchtlinge, bestieg die kleine Familie ein Boot nach Italien. Nach zwei Tagen und einer Nacht habe das überfüllte Boot ohne Verluste Lampedusa erreicht - immer wieder ertrinken auf eben jener Route von Afrika nach Europa Flüchtlinge.

Ob er denn in dem keine Angst um seine Tochter gehabt habe? Doch, schon, „aber wir wollten weg“, versucht Ahmed achselzuckend zu erklären. In Italien habe er die meiste Zeit einfach nur gewartet; worauf, das weiß der 26-Jährige selbst nicht genau.

2013 landete die Familie schließlich in Deutschland, in Frankfurt. Von dort aus ging es in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Gießen, ehe Ahmed, seine Frau Marian und Tochter Nawal in die Gemeinschaftsunterkunft in Kirchheim gebracht wurden. Inzwischen lebt die Familie in zwei Zimmern einer Wohnung in Bebra. Die Küche und das Bad teilen sie sich mit zwei Männern und einer Frau aus Somalia und Eritrea. Im Januar dieses Jahres wurde Söhnchen Ali geboren, im Bad Hersfelder Klinikum. Nawal besucht seit kurzem den Kindergarten in Bebra und hat längst die ersten Wörter Deutsch gelernt, auch wenn sie Fremden gegenüber still ist. Ahmeds Frau spricht noch kein Deutsch, will aber einen Sprachkurs besuchen, sobald ihr Sohn älter ist.

Abschiebung drohte

Im März drohte der Familie die Abschiebung, beziehungsweise Rückführung nach Italien. Unter anderem mit Hilfe aus der Kirche, der Politik und von der Lehrbaustelle Bebra konnte dies aber verhindert werden. In Deutschland fühle er sich wohl, sagt Ahmed, auch wenn er sich an die Kälte und manche deutsche Gepflogenheit erst noch gewöhnen muss. Auf der Lehrbaustelle absolvierte er Anfang 2014 im Rahmen des Bleiberechtsprogramms des Landkreises ein Praktikum, und blühte regelrecht auf.

Seit September hat Abdirahmann Abukar Ahmed einen Ausbildungsvertrag als Tiefbaufacharbeiter bei der Firma Franke in Morschen in der Tasche. „Er ist sehr fleißig und engagiert, auch wenn es natürlich noch sprachliche Defizite gibt“, lobt Manuela Hollstein, die bei der Fritz Franke GmbH im Schwalm-Eder-Kreis Ansprechpartnerin für alle Auszubildenden ist.

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Von Nadine Maaz

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