Wolfgang Gellert und Fried Wolff gestalten Ringelnatz-Abend im Bootshaus

Reise mit See- und Tiefgang

Unterhaltsam: Wolfgang Gellert (links) und Fried Wolff (rechts) gestalteten einen Ringelnatz-Abend im Bootshaus in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Mit geschultertem Seesack und einer „Buddel Köm“ stolperte der Seemann „Kuttel Daddeldu“ (Wolfgang Gellert) auf die mit einem roten Rettungsring und zwei Seekarten dekorierte Bühne der Bad Hersfelder Traditionsgaststätte „Bootshaus“. Kaum hatte er den Seesack in die Ecke geworfen und einen kräftigen Schluck aus der Pulle genommen, nahm Gellert gemeinsam mit seinem Partner Fried Wolff das Publikum mit auf eine vergnügliche Reise mit See- und Tiefgang durch das Leben und die bisweilen skurrile Welt von Joachim Ringelnatz.

Bekannte Gedichte wie das über die zwei Hamburger Ameisen, die nach Australien reisen wollten, aber schon in Altona wegen dicker Füße weise auf den letzten Teil der Reise verzichteten oder das über den Bumerang, auf dessen Rückkehr das Publikum stundenlang wartete, wechselten ab mit Erzählungen aus dem nicht immer einfachen und bequemen Leben von Ringelnatz. So erfuhr das Publikum im Laufe des Abends vieles Bekanntes und Unbekanntes über Hans Bötticher (Ringelnatz war lediglich sein Künstlername). Von seinen Schwierigkeiten in der Schule über seine harte und entbehrungsreiche Zeit als Schiffsjunge auf der Dreimastbark „Elli“ bis hin zu seiner Zeit im berühmten Münchner Künstlerlokal „Simplicissimus“, wo er Abend für Abend für einen Hungerlohn auftrat. Für das Publikum war es ein vergnüglicher Abend mit zwei tollen Künstlern, die sich ihren Applaus mehr als verdient hatten. Als Zugabe gab es noch die Ringelnatzsche Version von „Rotkäppchen und der Wolf“, in der die Großmutter zuerst den Wolf, dann das Rotkäppchen und zu guter Letzt auch noch den Jäger verschlingt; eben typisch Joachim Ringelnatz.

Von Thomas Landsiedel

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