Orientalische Opern- und Operettengala verzaubert die Besucher in der Stadthalle

Reise durch 1001 Nacht

Die Musiker der Kammeroper Köln freuen sich über stürmischen Applaus und stehende Ovationen: von links Katharina Hur, Sabine Laubach, Campbell Vertesi, Antonio Rivera, Meera Varghese, Sarah Cossaboon und Sebastian Neuwahl. Foto: Dagmar Urban

BAD HERSFELD. „Allah ist groß“, riefen die Muezzine und begrüßten die Gäste der orientalischen Opern- und Operettengala in der Stadthalle stilecht mit „salam aleikum“ aus Peter Cornelius’ „Der Barbier von Bagdad“.

Unter dem Titel „Scheherazade – Zauber des Orients“ waren eine „fantasievolle Reise“ und „glamouröse Unterhaltung auf höchstem Niveau“ angekündigt worden. Wer angesichts der spärlichen Bühnendekoration daran zweifelte, wurde umgehend überzeugt: Dem durchweg jungen Ensemble genügten wenige Töne und einige angedeutete Kostüme, um Bilder aus 1001 Nacht erstehen zu lassen und das Feuer beim Publikum zu entfachen.

Der gekonnten Einführung folgte eine sich stetig steigernde Fortsetzung. Sebastian Neuwahl (Bariton) und Antonio Rivera (Tenor) hatten ihre Tonsicherheit und Stimmgewalt bereits als Muezzine bewiesen. Mit der Arie „In diesen heil’gen Hallen“ aus Mozarts „Die Zauberflöte“ zog Campbell Vertesi (Bass) als Sarastro ebenso nach wie die Sopranistinnen Meera Varghese als Pamina und Sabine Laubach als Papagena. Zudem begeisterten die Darsteller mit besonderer Ausdrucksstärke und sowohl einfühlsamem als auch humorvollem Spiel.

Musikalischer Freudensprung

Die Zwickmühle, in die sich Papageno mit seiner Selbstmorddrohung bringt, um Papagena zu locken, füllte Neuwahl spitzbübisch-unsicher aus, um sich dann erleichtert im Duett „Pa-pa-pa“ mit ihr zu vereinen. In Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ schlug Vertesi als Haremswächter Osmin im Freudensprung die Absätze zusammen beim Gedanken an Blondes bevorstehende Hinrichtung. So wie Blonde alias Sarah Cossaboon (Sopran) ihm im Duett „Ich gehe, doch rate ich dir“ die Stirn bot, so zeigte sie in „Welche Wonne, welche Lust“ auch ihre ebenbürtige Gesangs- und Spielstärke.

Im zweiten Teil geleitete das Orchester mit J. H. Hopkins „Kings of Orients“ Künstler und Gäste in den Fernen Osten. Verghese glänzte mit „Comme autrefois“ aus Georges Bizets „Die Perlenfischer“ ebenso wie Rivera und Neuwahl im Duett „Au fond du temple saint“. Das Blumenduett aus Leo Delibes „Lakmé“, gesungen von Varghese und Cossaboon, schlug die Brücke zu Franz Léhars „Land des Lächelns“.

In diesem letzten Block entfaltete Laubach noch einmal ihr volles Potenzial in Lisas Arie „Ich möcht wieder einmal die Heimat seh"n“. Pianistin Katharina Hur begleitete nicht nur die Sänger perfekt, sie dirigierte vom Flügel aus auch das Streichorchester der Kölner Symphoniker mit Bravour.

Neuwahl und Laubach führten durch das Programm, das die jungen Musiker ausschließlich für den Abend in der Lullusstadt zusammengestellt hatten. Den gelungenen Schlusspunkt setzte das Orchester mit „Scheherazade“ von Rimsky-Korsakov.

So wie Scheherazade den Kalifen mit ihren Geschichten 1001 Nacht gefesselt hatte, so konnten sich die Besucher der – leider nur zur Hälfte besetzten – Stadthalle selbst nach der Zugabe kaum aus dem Zauber dieser außergewöhnlichen musikalischen Reise lösen.

Von Dagmar Urban

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