Historische Karte im Stiftsbezirk zeigt Hersfelder Besitztümer im Mittelalter

So reich war die Abtei

Die Vorsitzende des Geschichtsvereins, Ingrid Waldeck (links), begrüßte (von links) Bürgermeister Thomas Fehling, Landrat Karl-Ernst Schmidt, Albert Deiß und Dr. Michael Fleck vom Geschichtsverein Hersfeld, Gerhard Heß (Sparkassenstiftung) sowie Grafiker Martin Engel (zweite Reihe links) und Wolfgang Kurth (Sparkasse, zweite Reihe rechts) und eine erste interessierte Passantin Foto: Macheledt

BAD HERSFELD. Am Eingang des historischen Stiftsbezirks können sich Passanten seit dieser Woche über das Gebiet der ehemaligen Reichsabtei Hersfeld informieren. Der Hersfelder Geschichtsverein präsentierte am Dienstagnachmittag einen neuen Informationskasten mit einer Karte und zahlreichen Hintergrundinformationen zur Geschichte des Hersfelder Klosters und dessen Ländereien im Mittelalter.

Die Idee zu der Karte entstand schon in den 80er-Jahren, so Albert Deiß vom Geschichtsverein. Die existierende Karte aus dem Jahr 1939 wurde neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr gerecht. Zahlreiche historische Urkunden und Archivalien mussten für die Neufassung gesichtet und ausgewertet werden. 2012 konnte man die gesammelten Daten dem Bad Hersfelder Grafiker Martin Engel übergeben, der mittels moderner Informatikprogramme die detaillierte Karte erstellte. Vor allem die weite Ausdehnung der Hersfelder Besitzungen erschwerte die Arbeit der Historiker. Bis in das heutige Sachsen-Anhalt reichte das zerklüftete Territorium des Hersfelder Klosters. Grund hierfür war die wechselvolle Geschichte der Reichsabtei, die circa 800 Jahre bestand, erläuterte Dr. Michael Fleck in einem kurzen historischen Abriss.

Gegründet im achten Jahrhundert durch den Mainzer Bischof Lullus, wurde das Kloster von Karl dem Großen zur Reichsabtei erhoben und stand fortan unter dem direkten Schutz des Kaisers. Durch zahlreiche Schenkungen wohlhabender Bürger und Adeliger wuchsen Reichtum und Grundbesitz des Klosters im Laufe des Mittelalters stark an. Im 11. Jahrhundert übertrug Kaiser Heinrich II. den Hersfelder Äbten sogar das gesamte Kloster Memleben (Sachsen-Anhalt). Die Kontrolle über den weitläufigen Klosterbesitz wurde jedoch durch dessen Zersplitterung zunehmend erschwert und trug zum Niedergang im 16. Jahrhundert bei. Die Reformation und deren Folgen verstärkte diesen Prozess. Heute kündet lediglich noch die imposante Stiftsruine von der einst so stolzen und mächtigen Reichsabtei zu Hersfeld.

Ingrid Waldeck, die Vorsitzende des Hersfelder Geschichtsvereins, dankte Landrat Karl-Ernst Schmidt und Gerhard Heß, Vorstandsmitglied der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg, für die finanzielle Unterstützung durch die Bürgerstiftung des Landkreises und die Sparkassen-Stiftung.

Von Arndt Macheledt

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