Sophie Eberhardt war eine der ersten Bad Hersfelder Studium-Plus-Absolventinnen

Region mit Perspektive

Fühlt sich wohl in Bad Hersfeld: Im Stiftspark geht Sophie Eberhardt auch oft ihrem Hobby, der Fotografie, nach. Foto: Spanel

Hersfeld-Rotenburg. Ruppig seien die alteingesessenen Osthessen manchmal. Fremden gegenüber nicht immer aufgeschlossen, oft brummelig und kurz angebunden. „Lernt man sie aber kennen, sind die Menschen hier loyal bis ins Mark, grundsympatisch und unglaublich humorvoll“, sagt Sophie Eberhardt. Die 26-Jährige, die in Obersuhl aufwuchs und ihre Schulzeit an der Heringer Werratalschule verbrachte, verließ die Heimat zunächst für einige Jahre. Studium, Ausbildung und das Leben in der Großstadt Kassel lockten – doch nun ist sie wieder hier, in Osthessen.

Erst vor gut einem Jahr hat sie gemeinsam mit ihrem Freund eine Wohnung in Bad Hersfeld bezogen. Nach ihrem Bachelor-Abschluss an der Bad Hersfelder Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Betriebswirtschaft, Fachrichtung Logistikmanagement, arbeitet sie als Process Manager bei Amazon. „Wegziehen kommt definitiv nicht in Frage.“

Viele Hürden genommen

Doch leicht war Sophie Eberhardts Weg bis hierhin nicht. Nach dem Abitur 2006 schrieb sie sich für Wirtschaftspädagogik an der Universität in Kassel ein. „Ich habe schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich war“, sagt die 26-Jährige.

Während ihrer Schulzeit in Heringen hatte sie bereits mehrere Praktika in Logistikbetrieben absolviert. „Irgendwie hat mich dieser Bereich immer fasziniert.“ Im Sommer 2007 begann sie schließlich eine Ausbildung als Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen in Kassel.

Für die zierliche Brünette in einem von Männern dominierten Beruf sicher nicht der einfachste Schritt: „Der Umgangston unter den Lkw-Fahrern ist rabiat, die Sitten teils rau.“ Nun war Durchhaltevermögen gefragt. Zusätzlich motiviert hätten Sophie Eberhardt die besseren Aussichten auf ihren Traumberuf in der alten Heimat: „In der Region sind so viele Logistikunternehmen ansässig – das macht die Arbeit spannend und abwechslungsreich.“

Als sie nach dem Abschluss ihrer Ausbildung auf das duale Angebot „Studium Plus“ in Bad Hersfeld aufmerksam wurde, war sie sofort Feuer und Flamme. Schon im Herbst 2010 hatte sie den Vertrag mit THM und dem Partnerunternehmen Amazon in der Tasche. In die Gruppe von anfangs 16 Studierenden habe sie sich erst einfinden müssen: „Ich war die Älteste, alle anderen kamen frisch von der Schule“.

Mehr Studenten gewinnen

Gemeinsam habe man das Studium gestemmt, sich gegenseitig motiviert und viel unternommen. „Um noch mehr Studenten zu gewinnen, könnte die Region mehr für junge Leute anbieten – zum Beispiel im Nachtleben“, sagt die 26-Jähige. Zumindest in diesem Punkt sei Kassel dann doch besser als Osthessen.

Von Emily Spanel

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