Forscher haben die Energieversorgung in Nordhessen untersucht – 57 Prozent mehr wären möglich

Region könnte bald Ökostrom exportieren

Energiequellen: Sonne, Wind und Biomasse könnten in Nordhessen noch viel mehr Strom liefern. Das ergab eine neue Studie. Foto: Archiv

Kassel/Hersfeld-Rotenburg. Im Jahr 2025 kann der Strombedarf in Nordhessen zu 80 Prozent aus heimisch erzeugter Öko-Energie gedeckt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Stadtwerke-Union Nordhessen (Sun) und des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes). Die Untersuchung soll heute in Kassel bei einem bundesweiten Energiewende-Kongress vorgestellt werden.

In den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder, die sich zu einer Naturkraft-Region zusammengeschlossen haben, werden derzeit 22 Prozent des Stromverbrauchs aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse erzeugt. Das teilte die Geschäftsführerin des Verbundes, Dr. Brigitte Buhse, mit. Ziel sei es, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 35 Prozent zu steigern.

Das Ziel der Studie hält Buhse für ehrgeizig: „Rein rechnerisch ist das möglich, problematisch ist dabei die Umsetzung.“ Es sei aber besser, die Messlatte höher zu legen.

Die Forscher sind der Frage nachgegangen, inwieweit der Sun-Verbund mit Stadtwerken aus Kassel und den Landkreisen Kassel, Werra-Meißner und Schwalm-Eder mit eigenen Mitteln die Energiewende schaffen kann. Würden alle denkbaren Ausbaupotenziale für Windräder, Solar- und Bioenergieanlagen genutzt, könnten sie 57 Prozent mehr Strom erzeugen, als Einwohner und Betriebe benötigen.

Allerdings sagte Iwes-Leiter Prof. Jürgen Schmid: „Eine energetisch autarke Insel Nordhessen wird es nicht geben.“ Da die Zeiten von Wind und Sonnenschein häufig nicht deckungsgleich mit dem Strombedarf seien, müsse weiterhin Energie von außen bezogen oder bei Überproduktion abgegeben werden können. Laut der Studie hätte eine Energiewende in nordhessischer Eigenregie aber andere Vorteile: Pro Jahr könnten bis zu 300 Millionen Euro in der Region gehalten werden, die bislang zum Stromkauf abfließen. ZUM TAGE, Seite 8

Von Axel Schwarz und Marcus Janz

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